KI hilft. Aber nicht unbedingt gegen Ärzte-Burnout.

Die Hoffnung auf weniger Stress dank Künstlicher Intelligenz ist gross. Eine neue Übersichtsarbeit zeigt jedoch: Die Technologie entlastet wenig. Sie schafft sogar Zusatz-Druck.

, 6. Februar 2026 um 04:37
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KI-Symbolbild: Medinside mit Midjourney
Es ist eine Hoffnung, die von der Branche zunehmend gehegt wird: Mehr KI heisst weniger Bürokratie, weniger Belastung für die Mediziner, mehr freie Zeit, mehr Zeit für die Patienten – also am Ende auch weniger Burnout.
Einzelne Studien scheinen das auch zu bestätigen. Nun zeigt eine neue Übersichtsarbeit allerdings, dass die Basis dünn ist. Es ist kaum belegt, dass Künstliche Intelligenz wirklich entlastet. Die Technologie kann sogar viel Zusatzstress erzeugen.
  • Jay R. Parikh, Frank J. Lexa: «Radiologist burnout: AI’s true black box», in: «European Radiology», Januar 2026.
  • Doi: 10.1007/s00330-025-12278-6
  • Methodik: Systematische Übersichtsarbeit. Analyse von 22 Studien zu Burnout bei Radiologen und KI-Einsatz. Fokus auf Arbeitsbelastung, Zufriedenheit, Work-Life-Balance und organisatorische Faktoren.
Entlastet KI? Der Frage ging ein Team des University of Texas MD Anderson Cancer Centre und des American College of Radiology anhand der Radiologen nach.
Die Überlegung dabei: Diese Spezialisten haben einerseits eine hohe Burnout-Rate. Andererseits bietet KI in der Radiologie besonders viel Potential. Automatisierte Befundung und Workflow-Optimierung können viele Routineaufgaben übernehmen.
Die Untersuchung bietet allerdings einen ernüchternden Befund: Jay Parikh und Frank Lexa fanden keinen klaren Beleg, dass KI die Burnout-Rate senkt. Die Wirkung sei eine «Black Box», lautet der titelgebende Befund der Sammel-Studie.

Gleich viel Verantwortung, mehr Unklarheit

Denn mehrere Erhebungen berichteten sogar, dass KI den Stress der Radiologen erhöhen dürfte.
Warum? Die Bildgebungs-Spezialisten müssen am Ende immer noch alle Ergebnisse prüfen, korrigieren und interpretieren. Die Verantwortung bleibt bei ihnen. Auf der anderen Seite sind die Algorithmen oft undurchsichtig. Die Black-Box-Natur von KI kann den moralischen und kognitiven Stress erhöhen, so ein Fazit.
Zugleich hilft KI wenig, wenn es um andere Belastungen oder Themen geht – ob Autonomie, Work-Life-Balance, soziale Unterstützung oder Organisationskultur. Kommt hinzu, dass die neue Technologie gern auch dazu eingesetzt wird, einfach Radiologie-Stellen abzubauen. Zum Beispiel, indem man auf Doppelbefundungen zu verzichten versucht.

Hilft nicht gegen Isolation

Insgesamt bleibt der Entlastungseffekt also eher klein – und manchmal kann die Technologie sogar die Isolation verstärken oder die Grenzen von Arbeit und Privatleben eher auflösen.
«Trotz des Optimismus hinsichtlich des KI-Einsatzes in der Radiologie bleibt der Einfluss von KI auf das Burnout-Risiko von Radiologen eine ‚Black Box‘, deren endgültige Auswirkungen noch nicht absehbar sind», heisst es in der Schlussfolgerung vorsichtig. «Weitere Grundlagenforschung ist erforderlich, um diese ‚Black Box‘ zu entschlüsseln und Radiologen zu helfen, die tatsächlichen Auswirkungen dieser sich entwickelnden Technologie auf ihr ohnehin schon beeinträchtigtes Wohlbefinden zu verstehen.»
Die derzeitigen Signale deuten aber an, dass man sich nicht allzu viel erhoffen sollte.
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