Wie bewacht man Patienten, ohne sie zu überwachen? Das Problem brachte jüngst das Universitätsspital Zürich
in die Schlagzeilen, weil dieses gewisse Patienten mit einem KI-gestützten Kamerasystem beobachtet: Über dem Bett hängen dann Kameras, welche die Bewegungen der Patienten registrieren, in Symbolbilder umwandeln und an die Stationsleitung senden. Doch die Presse reklamierte, die Politik interpellierte, die Datenschützerin warnte.
Das Kantonsspital Baselland (KSBL) nutzt ein Überwachungssystem ein, das anders funktioniert. Das Programm Qumea arbeitet ohne Kamera und ohne Audioaufnahmen – dafür mit radarbasierten Sensoren, welche die Aktivitäten im Patientenzimmer anonym erfassen. Das System erkennt Veränderungen in Bewegungsabläufen und meldet dem Pflegepersonal via App, wenn sich eine womöglich gefährliche Situation abzeichnet.
Deutliche weniger Stürze
Seit 2022 nutzte das KSBL das System auf zwei Stationen in der Altersmedizin im Regelbetrieb. Es habe zu einem «deutlichen Rückgang der Patientenstürze» beigetragen, so inzwischen die Erkenntnis.
«Wir möchten dort Fortschritt schaffen, wo er den Menschen unmittelbar hilft»,
sagt Cornelius-Monroe Huber, Chief Nursing Officer des KSBL: «Über die vergangenen drei Jahre konnten wir mit Qumea einen deutlichen Rückgang sturzbedingter Unfälle erreichen. Damit erhöhen wir nicht nur die Sicherheit für Patientinnen und Patienten, sondern auch für unsere Mitarbeitenden. Ein grosser Mehrwert ist dabei, dass diese Sicherheit würdevoll erreicht wird – ohne den Einsatz von Kameras.»
Qumea, lanciert von einem Healthtech-Startup im Kanton Solothurn, wird schon in vielen Spitälern und Pflegeinstitutionen der Schweiz eingesetzt. Zu den ersten Testern gehörte das
damalige Felix Platter Spital 2021. Auch das Kantonsspital Aargau, die Klinik Hirslanden, das
Spital Muri oder das Zuger Kantonsspital haben es im Einsatz.