Studie: Frauen behandeln Frauen besser

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Patientin stirbt oder einen Rückfall hat, ist tiefer, wenn sie von einer Ärztin behandelt wird.

, 24. April 2024 um 03:00
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Unfallchirurgin bei der Arbeit  |  Bild: aus der Social-Media-Aktion #looklikeasurgeon
Ärztin oder Arzt? Ob die Patienten besser dran sind, wenn eine Frau sie operiert respektive behandelt: Dieses Thema wurde schon mehrfach aufgebracht und in Studien eingegrenzt (siehe etwa hier, hier und hier).
Eine wichtige These dabei lautet: Ja, Chirurginnen (oder allgemein Ärztinnen) haben statistisch die besseren Resultate – zum Beispiel tiefere Mortalitätsraten oder weniger Rückfälle. Aber dies erklärt sich weitgehend daraus, dass sie weniger komplexe Fälle behandeln oder eher in Feldern arbeiten, die nicht so riskant sind.
Eine neue Datenerhebung, erarbeitet von Internisten der Universitäten Yale und Tokio, kam nun aber zu einem bemerkenswerten Neben-Ergebnis. Das Team machte ebenfalls gewisse bessere Werte fest, wenn die Patienten bei Frauen in Spitalbehandlung waren. Aber vor allem: Die Unterschiede waren einseitig verteilt.
Sie waren erheblich, wenn die Patientinnen ebenfalls Frauen waren – aber sie waren minim, wenn es Männer waren. Und das hat nichts mit der Komplexität der Fälle oder der Bereiche zu tun.
  • Atsushi Miyawaki, Anupam B. Jena, Lisa S. Rotenstein, Yusuke Tsugawa: «Comparison of Hospital Mortality and Readmission Rates by Physician and Patient Sex», in: «Annals of Internal Medicine», April 2024.
  • doi.org/10.7326/M23-3163
Insgesamt werteten Miyawaki et al. die Medicare-Daten von rund 775'000 US-Patientinnen und Patienten aus, die über 65 Jahre alt waren und sich zwischen 2016 und 2019 einem chirurgischen Eingriff unterzeihen mussten. Bei rund 240'000 dieser Personen waren die verantwortlichen Mediziner weiblich. War dann eine Ärztin zuständig, so lag die 30-Tage-Mortalitätsrate bei den Patientinnen bei 8,15 Prozent; war es ein Arzt, so betrug die Quote 8,38 Prozent.
Interessanterweise war der Unterschied deutlich kleiner (und definitiv nicht mehr signifikant), wenn die Patienten männlich waren (10,15 versus 10,23 Prozent).
Ein fast identisches Phänomen wurde auch bei der Readmissions-Rate festgestellt.

Es geht um Kommunikation

Ursachen für den Unterschied lassen sich aus den Daten kaum herauslesen; die Autoren selber vermuten eine Haupt-Erklärung in Kommmunikations-Unterschieden und -Problemen. «Unsere Schmerzen und unsere Symptome werden oft abgetan», sagte Megan Ranney von der Yale School of Public Health gegenüber dem TV-Sender NBC: «Es ist möglich, dass weibliche Ärztinnen sich dessen mehr bewusst sind und empathischer vorgehen.»
Zum Kommunikations-Aspekt gehört auch, dass männliche Ärzte womöglich den Schweregrad einer Erkrankung bei Frauen eher unterschätzen, weil sie die Darstellung der Patientinnen als emotionaler beurteilen.
Eine weitere Erklärung wäre, dass die Patientinnen bei schambehafteten Themen besser und ehrlicher mit Ärztinnen kommunizieren.
  • arbeitswelt
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