Aargauer Spitalärzte erhalten bezahlte Forschungszeit

Ein neues Forschungsangebot für Spitalärzte: Sie dürfen bis zwei Jahre forschen – neben dem Klinikalltag.

, 6. Juni 2024 um 06:13
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Das Paul-Scherrer-Institut im aargauischen Villigen. | PD
Ärztinnen und Ärzte von Aargauer Spitälern können künftig Forschungszeit beantragen. Für ein halbes Jahr bis zu zwei Jahren dürfen sie dann berufsbegleitend zusammen mit Teams an der ETH Zürich, an der Empa oder am Paul-Scherrer-Institut (PSI) forschen.

Für Spitalärzte ist Forschen schwierig

Normalerweise ist es für Spitalärzte schwierig, sich an Forschungsprojekten zu beteiligen. Das heisst: Ihre klinische Alltagserfahrung fehlt in der akademischen Welt.
Umgekehrt gelangen neue wissenschaftliche Erkenntnisse weniger schnell in die Praxis.

Kantonsspitäler und Hirslanden-Klinik

Drei Spitäler im Kanton Aargau machen deshalb beim neuen Verein für medizinische Forschung und Innovation im Kanton Aargau mit. Und zwar sind es die beiden Kantonsspitäler Aarau und Baden und die Hirslanden-Klinik Aarau.
Der Verein zahlt den Spitäler Beiträge für die Zeit, welche die Ärzte und Ärztinnen in die Forschung investieren. Der Verein wiederum erhält für die ersten fünf Jahre eine einmalige Anschubfinanzierung von einer Million Franken.

Bis zu acht Forschungsanträge pro Jahr

Die Hälfte zahlen die sechs teilnehmenden Institutionen und Spitäler, die andere Hälfte übernimmt der Kanton Aargau.
Der Verein will mit dem Geld jährlich fünf bis acht Anträge auf Forschungszeit bewilligen. Langfristig soll sich der Verein selber finanziern, beispielsweise mit Geld von Stiftungen oder mit Spenden.

Es braucht auch Geld für das Projekt

Der Verein zahlt nur die Ausfallkompensation für die Spitäler. Das Geld für die Forschungsvorhaben muss aus anderen Quellen kommen. Die Antragsteller müssen die Finanzierung ihrer Projekte bereits beim Einreichen ihres Antrags nachweisen.

Diese Zusammenarbeit gibt es schon

Die Aargauer Spitäler arbeiten bereits jetzt mit den Forschungs-Institutionen zusammen: etwa bei der Protonentherapie und der Radiopharmazie am PSI. Es gibt auch eine Forschungskooperation «Clinical – Research ETH@KSB» zwischen der ETH Zürich und dem Kantonsspital Baden.
Auch das Kantonsspital Aarau hat bereits mehrere Projekte gemeinsam mit der ETH Zürich durchgeführt, zum Beispiel Robotik bei Schlaganfällen. Die Empa arbeitet für die Gesundheits- und Medizintechnik und entwickelt gemeinsam mit Firmen medizinische Implantate sowie neuartige diagnostische und therapeutische Ansätze.
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