Psychiatrie: Basel will in «digitale Angebote» umschichten

Die beiden Basel wollen künftig das ambulante und das «intermediäre» Angebot ausbauen. Grund ist die schweizweit überdurchschnittliche Nachfrage nach psychiatrischen Behandlungen.

, 13. Dezember 2022, 06:00
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Die Psychiatrie ist aktuell dasjenige Fachgebiet mit der grössten Dynamik und dem höchsten Wachstum in der Gemeinsamen Gesundheitsregion. | Screenshot
Im Grossraum Basel besteht eine überdurchschnittliche Inanspruchnahme von stationären und ambulanten psychiatrischen Leistungen im Vergleich mit anderen Kantonen. So werden in den beiden Basel rund 20 Prozent mehr Fälle stationär behandelt, als dies anhand der Struktur der Wohnbevölkerung zu erwarten gewesen wäre. Dies zeigt der neue Versorgungsbericht der Gemeinsamen Gesundheitsregion Basel- und Baselland.

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Ein möglicher Erklärungsgrund sei, dass die Inanspruchnahme heute «gesellschaftlich akzeptierter» und «weniger stigmatisiert» sei, heisst es. Und eine Überversorgung bei gleichzeitig vorhandenen Wartezeiten erscheine zunächst widersprüchlich: Eine mögliche Erklärung könnte jedoch sein, dass Menschen mit psychischen Problemen in der Gesundheitsregion nicht «versorgungsstufen-gerecht» versorgt werden.

Kantone streben Verlagerungsdialog an

Diese sehr hohe stationäre Inanspruchnahme wird auch von Fachpersonen kritisch gesehen. Dem hohen Grad soll nun deshalb eine Stärkung des ambulanten und des intermediären Angebotes gegenübergestellt werden, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Zu den «intermediären» Angeboten gehören beispielsweise Tageskliniken, «Home Treatment» oder «digitale Angebot». Soweit medizinisch vertretbar, werde eine Verlagerung von stationären Behandlungen in intermediäre Behandlungsangebote um etwa 16 Prozent angestrebt.
Für die Stärkung sei zudem eine enge Zusammenarbeit mit den Spitälern nötig, heisst es weiter. Den Umfang werden die Kantone nun gemeinsam mit den Spitälern in einem «Verlagerungsdialog» ermitteln. Die angestrebte Verlagerung führe gleichzeitig dazu, dass sich die Ausgaben der Kantone verschieben: vom Anteil an den stationären Behandlungen hin zu einem höheren Anteil der Kantone bei den intermediären Leistungen.

Bewerbungsverfahren ab sofort offen

Der aktuelle Versorgungsbericht «Psychiatrische Versorgung» dient darüber hinaus als Grundlage des Bewerbungsverfahren für neue gleichlautende Spitallisten ab 2024. Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft wollen nach gleichlautenden Listen in der Akutsomatik die Psychiatrieangebote zusammen weiterentwickeln.
Das Bewerbungsverfahren für die Kliniken steht ab sofort offen und dauert bis Ende Januar 2023. Pychiatrische Kliniken aus der ganzen Schweiz, welche die Anforderungen erfüllen, können sich für Leistungsaufträge bewerben.
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