Stiftung Gesundheitsförderung verdoppelt Einnahmen aus Prämienbeiträgen

Die Gesundheitskommission will die Einnahmen und damit auch die Ausgaben der prämienfinanzierten Stiftung Gesundheitsförderung deckeln. Das starke Ausgabenwachstum sei «stossend».

, 19. November 2019 um 09:27
image
  • politik
  • gesundheitsförderung
  • prävention
Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz soll effizienter werden. Konkret sollen die Gesamteinnahmen der Stiftung bei 20 Millionen Franken und ihr Verwaltungsaufwand bei 7,5 Prozent der Ausgaben gedeckelt werden. Dies hat die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates mit 11 zu 9 Stimmen bei 3 Enthaltungen beschlossen.
Die Kommission findet «das starke Ausgabenwachstum und die angehäufte Liquidität der Stiftung stossend», wie sie in einer Mitteilung schreibt. Die Ausgaben beliefen sich im vergangenen Jahr auf 34.5 Millionen Franken. Zum Vergleich: In den Vorjahren schwankten die Ausgaben um die 20 Millionen Franken. Und die Liquidität ist im vergangenen Jahr auf über 20 Millionen Franken angewachsen, infolge der Beitragserhöhung und der Mehrwertsteuerbefreiung.

Personalkosten sind «klar zu hoch»

Der Zuschlag auf den Krankenkassenprämien, durch den die Stiftung finanziert wird, dürfe nicht auf Vorrat angehoben werden, schreibt die Kommission weiter. Zudem seien die Personalkosten «klar zu hoch». Konkret: Der Verwaltungsaufwand belief sich im vergangenen Jahr auf 9.9 Millionen Franken. Dies entspricht über einem Viertel beziehungsweise in den vergangenen Jahren teilweise fast der Hälfte der Gesamtausgaben. Budgets, Rechnungen und Rechenschaftsbericht sollen neu dem Bundesamt zur Genehmigung vorgelegt werden, so der Plan. 

Stiftung Gesundheitsförderung

Die Stiftung fördert und koordiniert Projekte, etwa im Bereich Ernährung wie Süssgetränkekonsum bei Kindern oder Bewegung im Alltag, psychische Gesundheit und betriebliches Gesundheitsmanagement. Die Stiftung Gesundheitsförderung, die von Kantonen und Versicherer getragen wird, beschäftigte per Ende 2018 insgesamt 64 Personen. Im Stiftungsrat mit Heidi Hansemann als Präsidentin beziehungsweise Guido Graf als ihr Nachfolger sitzen Vertreter aus den Bereichen Kantone und Bund, Pharma, Versicherer, Wissenschaft oder Konsumenten. Direktor ist der Walliser Jurist und Gesundheitsprofi Thomas Mattig.
Der Beitrag der Versicherten soll demnach so festgesetzt werden, dass die Gesamteinnahmen den Betrag von den besagten 20 Millionen Franken nicht überschreiten, heisst es weiter. Weiter sei gleichzeitig vorgesehen, den zuständigen Kommissionen des National- und Ständerates Bericht über die Verwendung dieser Mittel zu erstatten.

Beiträge der Krankenversicherer verdoppelt

Die Einnahmen aus Beiträgen der Versicherten schwankten vor dem Jahr 2016 jeweils um die 20 Millionen Franken, je nach Anzahl der Bevölkerung. Im Jahr 2017 und 2018 stiegen die Einnahmen dann auf fast 30 Millionen Franken respektive über 40 Millionen Franken an. 
Der Jahresbeitrag pro Versicherten beläuft sich derzeit auf 4.80 Franken pro Jahr. Im Vorjahr waren es noch 3.6o Franken gewesen, vor sechs Jahren 2.40 Franken. Neu soll die Behörde auf Antrag der Institution den Beitrag festsetzen.
Es liegt nun an der Kommission des Ständerats, Stellung zur geplanten Obergrenze für die Ressourcen und Verwaltungskosten zu nehmen. Tritt die ständerätliche Kommission in die Angelegenheit ein, wird der Fall zur Behandlung an die Kommission der grossen Kammer zurückverwiesen. Ansonsten muss der Nationalrat das Geschäft behandeln. 

Zu früh, um die Folgen abzuschätzen

«Diese Initiative hat, falls sie angenommen würde, ohne Zweifel einen wesentlichen Einfluss auf unsere Strategie und die von uns unterstützten Projekte», teilt die Stiftung Gesundheitsförderung auf Anfrage von Medinside mit. 
Und wie würden sich die Pläne der Politik auf die Beiträge oder auf den Stellenplan der Stiftung konkret auswirken? Weil ein Gesetzgebungsverfahren viel Zeit braucht, ist es laut der Stiftung zu diesem Zeitpunkt verfrüht, die genauen Folgen abzuschätzen, die eine solche Entscheidung haben könnte.
  • Lesen Sie auch: «Sind die Kampagnen vom Bundesamt für Gesundheit ihr Geld wert?»
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Krankenkassenprämien erreichen neue Höchststände

Die Krankenversicherungsprämien werden auch im Jahr 2024 die Haushalte stark belasten. Der hohe Prämienanstieg ist auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen.

image

So beeinflusst Diskriminierung in der Kindheit das Adipositas-Risiko

Eine neue Studie zeigt: Diskriminierung in der Kindheit kann ein möglicher Auslöser für Fettleibigkeit sein.

image

«Die Fehlanreize müssen weg»

«Es ist Zeit, das Gesundheitssystem neu auszurichten und den Patientennutzen zur Messgrösse zu machen», findet FDP-Ständerat Damian Müller in einem Gastbeitrag.

image

Nationalrat will Vertragsspitäler besserstellen

Der Nationalrat plädiert für eine Verschiebung von 100 bis 150 Millionen Franken von der Zusatzversicherung in die Grundversicherung. Das führt zu einer Mehrbelastung der Prämienzahler.

image

Nationalrat schluckt die bittere Pille

Auch der Nationalrat will die Pflege analog der stationären und ambulanten Behandlungen einheitlich finanzieren.

image

Ständerat findet: Kassen müssen Assistenz-Psychotherapie zahlen

Nun klopfen Politiker den Krankenkassen auf die Finger: Sie sollen die Kosten für Psychotherapeuten in Weiterbildung übernehmen.

Vom gleichen Autor

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum Medizinstudierende im Studium ihre Empathie verlieren

Im Laufe eines Studiums nimmt offenbar das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten ab. Dies zeigt eine neue Studie.

image

Berner Arzt hat Aufklärungspflicht doch nicht verletzt

Im Fall einer Nasen-OP mit Komplikationen verneint das Bundesgericht eine Pflichtverletzung eines Berner HNO-Arztes. Die Vorinstanzen haben noch anders entschieden.