Wo stirbt es sich am besten?

Der britische «Economist» hat die Qualität der Palliativpflege in 180 Ländern untersucht. Die Schweiz erscheint nicht in den Top Ten.

, 7. Oktober 2015, 13:36
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Zu einem gelungenen Leben gehört auch ein würdevolles Sterben. Regierungen, die bestrebt sind, ihren Bürgern das Leben so angenehm wie möglich zu machen, sollten sich auch darum kümmern, wie sie ihnen beim Sterben helfen können - und ein entsprechendes Palliativangebot bereitstellen.
Der Economist Intelligence Unit hat in 180 Ländern untersucht, wie es um die Qualität der Palliativpflege steht - und die Ergebnisse im «Quality of Death Index» zusammengestellt. 
Bewertet wurden besonders die Einbindung der Palliativpflege in die Grundversorgung, die Erschwinglichkeit von Palliativmedizin für die Patienten, die Verfügbarkeit von Sterbehospizen und das allgemeine Bewusstsein dem Thema gegenüber. 

Reiches Land, hoher Standard

Die Liste wird wenig überraschend von den reichen europäischen und asiatischen Ländern angeführt. Es zeigt sich, dass allgemeiner Wohlstand auch mit einer hohen Qualität der Palliativpflege einhergeht. 
Grossbritannien steht an der Spitze; die Schweiz folgt erst auf Rang 15, noch hinter Deutschland und Frankreich. Abstriche gabs für die Schweiz vor allem für das mangelnde öffentliche Bewusstsein dem Thema gegenüber sowie die unterdurchschnittliche Transparenz und Informationen über Angebote und Einrichtungen wie Sterbehospize. Details werden allerdings nicht genannt. 

Die Top 15


  1. Grossbritannien
  2. Australien
  3. Neuseeland
  4. Irland
  5. Belgien
  6. Taiwan
  7. Deutschland
  8. Niederlande
  9. USA
  10. Frankreich
  11. Kanada
  12. Singapur
  13. Norwegen
  14. Japan
  15. Schweiz

 

China wenig gerüstet

Interessant ist die Gegenüberstellung zwischen Angebot und der zu erwartenden Nachfrage von Palliativleistungen, die erstmals erhoben wurde. Dabei zeigt sich, dass speziell China zu wenig gerüstet ist für die zu erwartende Zunahme an Todesfällen, die auf Herz-Kreislauferkrankungen zurückgehen. Am besten decken sich Angebot und Nachfrage in Australien, Neuseeland, Grossbritannien und den Niederlanden. Auch die Schweiz liegt in der Spitzengruppe. 

Erfolgsfaktoren

Welche Eigenschaften weisen überhaupt Länder mit einem hohen «Quality of Death Index» aus? Die Studie nennt diese Faktoren: 

  • Einbindung der Palliativpflege in die Gesundheitsversorgung
  • Hohe öffentliche Ausgaben für die Gesundheitsversorgung
  • Ausreichende Ausbildungsmöglichkeiten für das medizinische Personal
  • Grosszügige finanzielle Unterstützung für Institutionen und Patienten
  • Verfügbarkeit von Schmerzmitteln 
  • Starkes öffentliches Bewusstsein für Palliativpflege

Zwei Schweizer beteiligt

Die Untersuchung wurde im Auftrag der Lien Foundation aus Singapur erstellt und basiert auf Befragungen von über 120 Experten auf der ganzen Welt. Aus der Schweiz nahmen Steffen Eychmüller, Leitender Arzt des Zentrums Palliative Care des Inselspitals Bern, und Andreas Ullrich von der World Health Organization teil. 


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