So gehen Spitäler nun mit russischen Patienten um

Russische Staatsangehörige gehören zur grössten Gruppe im Schweizer Medizintourismus. Hirslanden reagiert auf die Ukraine-Invasion und behält sich vor, elektive Behandlungen für russische Patienten abzulehnen.

, 4. März 2022, 07:20
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Grosskonzerne wie Apple, Nike oder Swatch wollen keine Produkte mehr nach Russland verkaufen, Schweizer Detailhändler streichen russische Produkte aus dem Sortiment, Vermögenswerte von russischen Oligarchen werden beschlagnahmt oder Hotelangestellte in der Schweiz protestieren gegen russische Gäste. Die Liste der Sanktionen und Boykotte vor dem Hintergrund der Ukraine-Invasion ist lang – und wird immer länger.
Wie ist die Haltung in der Schweizer Spitalszene? Hier behandeln Spitäler und Kliniken jährlich mehrere hundert Patientinnen und Patienten aus Russland. Sie gehören zur grössten ausländischen Gruppe im Schweizer Medizintourismus. Zum Beispiel das Universitätsspital Zürich (USZ), das sogar einen eigenen Internet-Auftritt auf Russisch betreibt. Es ist ein gutes Geschäft: Im Unispital in Zürich bezahlen russische Patienten bekanntlich einen etwas höheren Preis als die üblichen Patienten.
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Screenshot USZ 4. März 2022
Medinside wollte vom Unispital wissen, ob es im Umgang mit der russischen Patientenschaft derzeit andere Regelungen getroffen hat – oder treffen wird? Die Antwort: Das USZ trifft «geeignete Massnahmen zur vollständigen Umsetzung der gegen Russland und Einzelpersonen mit russischer Nationalität getroffenen Sanktionen», wie es auf Anfrage heisst. Hier versicherte und niedergelassene Russen sowie Notfälle würden ganz normal aufgenommen und behandelt.
Klar ist: Der Krieg in Osteuropa macht auch das grosse Universitätsspital Zürich betroffen. So hielten etwa am Mittwoch USZ-Mitarbeitende eine Schweigeminute, um für die Werte Frieden und Menschlichkeit einzustehen. 

Hirslanden überprüft Hintergrund regierungsnaher Russen

Auch die Privatklinikgruppe Hirslanden behandelt jährlich viele russische Patientinnen und Patienten. Die Medienstelle hält auf Anfrage fest, dass Hirslanden grundsätzlich alle Menschen behandle – unabhängig ihrer Staatsangehörigkeit.
Da ein Grossteil der russischen Staatsangehörigen die aktuellen Kriegsaktivitäten in der Ukraine verurteile, möchte Hirslanden jene nicht von ihren Gesundheitsleistungen ausschliessen. Aber: «Wir überprüfen den Hintergrund allfälliger russischer Patient*innen gemäss unseren Möglichkeiten und behalten uns vor, elektive Behandlungen abzulehnen».

Hirslanden verurteilt die Invasion «aufs Allerschärfste»

Die grösste Privatklinikgruppe der Schweiz weist gleichzeitig darauf hin, dass gemäss Entscheid des Bundesrates ohnehin ein Reiseverbot für Kreml-nahe Einzelpersonen gelte. Auf der Sanktionsliste stehen derzeit über 670 Personen. Diese kommen somit gar nicht erst in die Schweiz und damit in Schweizer Kliniken.
Das Spitalunternehmen begrüsst, dass die Schweiz die EU-Sanktionen übernommen hat. Wie andere Organisationen verurteilt die Privatklinikgruppe die russische Invasion in der Ukraine «aufs Allerschärfste». Und Hirslanden will möglichst zielgerichtet Hilfe vor Ort in der Ukraine leisten: zum Beispiel mit der Spende von medizinischen Hilfsgütern.
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