Wenn der Arzt eine Therapie braucht

Burnout ist unter Ärzten weit verbreitet. Allgemeinpraktiker trifft es am häufigsten, Dermatologen am wenigsten. Die Rangliste.

, 25. Juni 2015, 08:30
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Jeder zweite Arzt für Innere Medizin leidet unter einem Burnout. Dies ergab die jährlich durchgeführte Untersuchung «Physician Lifestyle Report 2015» des amerikanischen Branchennetzwerks «Medscape» in den USA, die Untersuchungen in anderen Ländern ähnelt. Die Studie liefert detaillierte Angaben über Verbreitung des Burnouts in einzelnen Fachgebieten der Medizin. Demnach sind Notärzte am stärksten von Erschöpfungszuständen betroffen, Internisten und Allgemeinpraktiker sind praktisch gleichauf. Die Hälfte von ihnen gibt an, unter einem Burnout zu leiden - im Vorjahr waren es noch 43 Prozent. Am unteren Ende der Tabelle finden sich Psychiater und Dermatologen. Die Raten liegen über dem Durchschnitt der amerikanischen Berufstätigen.

Anteil der Fachärzte, die unter einem Burnout leiden


  • Notfallärzte  52 Prozent
  • Internisten, Allgemeinpraktiker 50 Prozent
  • Allgemeine Chirurgen 50 Prozent
  • Radiologen 49 ProzentNeurologen 49 ProzentUrologen 49 ProzentPneumologen 47 ProzentKardiologen 46 ProzentEndokrinologen 45 ProzentÖrthopäden 45 ProzentPlastische Chirurgen 45 ProzentKinderärzte 44 ProzentOnkologen 44 ProzentAnästhesieärzte 44 ProzentRheumatologen 43 Prozent
  • Allergologen und Immonologen 43 Prozent
  • Gastroenterologen 41 Prozent
  • Psychiater 38 Prozent
  • Dermatologen 37 Prozent


Administrativer Druck

Dieser Befund führte in den USA zu einer Debatte über die Gründe des hohen Stressfaktors der Allgemeinpraktiker. In einem Essay führt der Internist Gregory A. Hood den Stress auf die hohen idealistischen Werte zurück, welche die Allgemeinpraktiker auszeichnet,  der sie anfälliger macht für Enttäuschungen im Berufsleben. Dies speziell für Dinge, die sie nicht selber beeinflussen können wie etwa administrative Aufgaben. Häufig seien Ärzte zu beschäftigt, um ihre Erschöpfung zu diagnostizieren, oder könnten sich ein Burnout nicht eingestehen. Eine andere Stimme weist darauf hin, dass die eigentliche Krux darin liegt, dass Ärzte nicht gewohnt sind, miteinander über Probleme zu reden, die sie selbst betreffen. Sie glaubten, das Burnout ohne fremde Hilfe bewältigen zu können. 

Ähnlicher Befund aus der Schweiz

Die Studie ähnelt Untersuchungen, die in anderen Ländern durchgeführt wurden, darunter auch der Schweiz. Eine Untersuchung des Genfer Universitätsspitals brachte vor fünf Jahren ähnliche Resultate. Damals wurde bei 42 Prozent der Allgemeinpraktiker ein «mässiges» Burnout-Syndrom festgestellt, bei Kinderärzten lag der Anteil bei 34 Prozent. Der Anteil der schweren Formen lag bei 6 und 4 Prozent. Allgemeinpraktiker waren sowohl von der leichteren als auch der schweren Form des Ausbrennens stärker betroffen als der Durchschnitt der befragten Ärzte. 
Burnout steht für einen emotionalen, geistigen und körperlichen Erschöpfungszustand, dem oft jahrelange Überforderung oder Überarbeitung vorangegangen ist. 


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