«Spitäler sollten die Auslagerung ihrer Immobilien prüfen»

Spitäler und Kliniken müssen über alternative Immobilienmodelle nachdenken. Dadurch entstehen Vorteile für alle, ist die Beratungsfirma PWC überzeugt.

, 21. Dezember 2020 um 09:46
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Heute sind die meisten Spitäler, Kliniken und Zentren in der Schweiz nach wie vor Eigentümer der Immobilien – und bauen diese auch selbst. PWC empfiehlt in einer neuen Studie den Spitälern allerdings, im Rahmen der Immobilienstrategie über alternative Modelle nachzudenken. 
Im Zentrum steht dabei der Verkauf der Liegenschaften an Investoren. Auch ein gemeinsamer Neubau ist laut der Beratungsfirma eine Option. International haben sich dafür so genannte «Real Estate Investment Trusts» (Reit) etabliert. Hier bieten Immobilienfonds vergleichbare Möglichkeiten.

Infracore als erfolgreiches Beispiel

In der Schweiz gibt es bislang aber nur wenige Anlagelösungen für Gesundheitsimmobilien. PWC nennt als erfolgreiches Praxisbeispiel die Immobiliengesellschaft Infracore. Erst am Freitag gab der Betreiber von Gesundheitsobjekten mit dem Erwerb der Klinik Belair einen weiteren Zukauf bekannt.
In anderen Branchen wie etwa im Bankensektor oder im Detailhandel haben sich solche «Sale and rent back» oder «Build and rent back» Modelle bereits seit einigen Jahren etabliert.
Richtig umgesetzt entstehen laut PWC Vorteile für alle Seiten: Die Spitäler können sich auf ihre medizinischen Kernkompetenzen konzentrieren. Die Mittel aus dem Verkauf fliessen als Investitionen in den Betrieb oder in die Digitalisierung. Der Investor und Vermieter wiederum betreibt in den meisten Fällen das Gebäude als Profi im Immobilienmanagement.

Spitäler haben gute Verhandlungsposition

Die Nachfrage nach Gesundheitsimmobilien übersteigt aktuell das Angebot, wie PWC in der Studie schreibt. Das Interesse bei Schweizer und ausländischen Investoren sei gross. Hinzu komme: Das Gesundheitswesen sei kaum konjunkturabhängig und weise ein langfristiges Wachstumspotenzial auf.
Mittlere und grössere Spitäler seien zudem in einer guten Verhandlungsposition. Denn es gebe nicht viele «systemrelevante» Mieter mit «starken Trägerschaften im Hintergrund», die Verträge mit 10 bis 30 Jahren Laufzeit anbieten.

Haben Investoren einen zu starken «Renditefokus»? 

Spitäler haben jedoch nach wie vor grosse Vorbehalte gegenüber Investoren. Kritisiert wird zum Beispiel ein zu starker «Renditefokus» und fehlende Flexibilität bei der künftigen Immobiliennutzung. PWC empfiehlt den Investoren deshalb, hier stärker auf die Bedürfnisse der Spitäler einzugehen. Eine Möglichkeit sei, sich zu «sozialen und nachhaltigen» Standards zu verpflichten. So könnten die Vorurteile abgebaut werden, sind die PWC-Berater überzeugt. 
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