Warum das Spital Limmattal auf dieses Baumodell setzte

Der Spitalverband Limmattal ging für das neue Spitalgebäude den Weg mit einem Totalunternehmer. Rückblickend sei das die richtige Wahl gewesen.

, 29. April 2022 um 06:00
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In vielen Schweizer Spitalarealen übertönt derzeit der Baulärm die Sirenen der Rettungswagen: Fast überall wird gebaut, erweitert oder renoviert. Für das Spital Limmattal ist dies bereits seit längerem Geschichte. Das neue Spital wurde nach einer Bauzeit von vier Jahren termingerecht übergeben. Das neue «Limmi» ist seit dreieinhalb Jahren in Betrieb.
Rückblickend zeigt sich der Spitalverband Limmattal mit dem Grossprojekt zufrieden, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Auch die Kosten haben die Spitalverantwortlichen nicht wie sonst üblich überschritten. Im Gegenteil: Der bewilligte Verpflichtungskredit von 275,7 Millionen Franken wurde inklusive zweier Nachtragskredite um rund 800'000 Franken unterschritten. 

Ohne Belastung der Steuerzahler umgesetzt

Projektanpassungen bei solchen komplexen Bauvorhaben sind normal und führen meist zu wesentlichen Mehrkosten. Auch hier wurde das Projekt in über 100 Nachträgen angepasst. Doch ein gutes Nachtragsmanagement konnte die Kosten im vorgesehenen Rahmen halten: Mehrkosten verursachende Nachträge mussten jeweils durch Projektoptimierungen an anderen Stellen kompensiert werden, schreibt das Spital.
Die Feststellung des Spitalverbands Limmattal ist grundsätzlich eine Nachricht mit Signalwirkung für andere Spitäler. Denn das öffentliche Spital-Neubauprojekt konnte ohne finanzielle Belastung der Trägerschaft und der Steuerzahler abgeschlossen werden. Zudem wurden alle Versprechen vollständig erfüllt, welche den Stimmberechtigten im Rahmen der Abstimmung über den Verpflichtungskredit gegeben wurden.

Kosten und Termine im Griff

Als eines der Erfolgsrezepte bezeichnet die Spitalorganisation die Umsetzung des Projektes mit einem Totalunternehmer. Seit Beginn sei dieser für die Planung, Umsetzung und Inbetriebnahme in der Gesamtverantwortung gestanden. Der Spitalneubau war das erste Totalunternehmer-Vorhaben im Schweizer Gesundheitswesen. 
Die Spitalverantwortlichen loben dieses Modell: Es biete im Vergleich zu konventionellen Methoden ein hohes Mass an Kosten- und Terminsicherheit und mindere für die Bauherrschaft diverse weitere Grossprojekt-Risiken. Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde auch der Bau des neuen Pflegezentrums wieder dem Totalunternehmer vergeben, schreibt das Spital weiter. 

Vollständig mit der BIM-Technologie realisiert

Der Limmi-Neubau war übrigens nicht nur das erste Totalunternehmer-Projekt im Schweizer Gesundheitswesen, sondern auch eines der ersten grossen Bauvorhaben in der Schweiz, das vollständig mit der sogenannten BIM-Technologie realisiert wurde. Der Begriff BIM steht für Building Information Modeling und beschreibt die vernetzte Planung, den Bau und die Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken mithilfe von Software. Dabei werden alle relevanten Bauwerksdaten digital modelliert, kombiniert und erfasst. 
Im Rückblick zum Neubau wird aber auch eingeräumt, dass nicht immer alles reibungslos ablief: So kam es anfänglich zu Verzögerungen im Rückbau bestehender Gebäudeteile, welche später Beschleunigungs-Massnahmen notwendig machten. Zudem wurden die vorab oft schwer kalkulierbaren Kosten für die Schadstoff-Sanierung der alten Gebäude und zusätzliche Ausrüstung zu Beginn unterschätzt.

Refinanzierung langfristig gesichert

Finanziert wurde der Neubau für jährlich 77'000 Patienten, der Betrieb und die laufenden Investitionen aus eigener Kraft. Dabei wählte das Regionalspital aus Schlieren als erstes Spital der Schweiz den Weg, sich Fremdkapital in der Höhe von 220 Millionen Franken über die Emission von zwei Anleihen am Kapitalmarkt zu beschaffen. Mit den stabilen Finanzergebnissen der vergangenen Jahre sei die Tragbarkeit und Refinanzierung der Investitionen langfristig gesichert, stellt das Spital fest. 

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