Von welchen Ärzten braucht es mehr? Und von welchen weniger?

Mehr Augen- und Hausärzte, mehr Urologen – aber weniger Kinderärzte: Via Modellrechnung wurde jetzt versucht, die Entwicklung in den nächsten zwanzig Jahren zu zeichnen.

, 13. Juni 2016, 07:00
image
  • trends
  • ärzte
Ärztemangel? Kommt doch völlig drauf an. Dies lässt sich jedenfalls aus interessanten Daten schliessen, die der Think Tank der deutschen Krankenkassen veröffentlicht hat. Danach braucht es in den nächsten 15 Jahren beispielsweise massiv mehr Urologen oder Augenärzte – dafür weniger Pädiater und Gynäkologen.
Die Idee dahinter: Es macht wenig Sinn, bei einer sich wandelnden Bevölkerung einfach die jetzige Ärztestruktur weiterzurechnen. Es gibt Zuwanderungs- und Abwanderungs-Regionen, und es gibt Altersverschiebungen. Und wenn das Durchschnittsalter steigt, so drängen sich auch gewisse Krankheiten mehr auf als bisher – und folglich auch gewisse Facharzt-Anforderungen. Obendrein hat der medizinische Fortschritt ebenfalls Folgen.
Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung von Deutschland (ZI) hat nun eine Modellrechnung erarbeitet, um diese Entwicklung für die nächsten 15 Jahre zu erfassen und all diese Aspekte hineinzurechnen.
Danach werden vor allem Urologen, Augenärzte, Fachinternisten und Hausärzte in den Jahren bis 2035 zeitlich stärker von Patienten beansprucht werden als heute. Im deutschen Durchsschnitt wird die Beanspruchung der Urologen um 23 Prozent steigen, jene der Augenärzte um 20 und die der Fachinternisten um 15 Prozent. Für Hausärzte erwarten die Wissenschaftler eine zusätzliche Beanspruchung von durchschnittlich 9 Prozent.
Mandy Schulz, Thomas Czihal, Jörg Bätzing-Feigenbaum, Dominik von Stillfried: «Zukünftige relative Beanspruchung von Vertragsärzten – Eine Projektion nach Fachgruppen für den Zeitraum 2020 bis 2035», ZI, Juni 2016.
Natürlich müsste noch geprüft werden, wie sehr sich die Situation in Deutschland auf die Schweiz übetragen lässt. Die Grundidee dürfte aber hier genauso gelten. Dass es weniger Pädiater und Gynäkologen bedarf, wenn es weniger Kinder und Jugendliche gibt, ist schliesslich eine nachvollziehbare Einsicht. Für die erwähnten zwei Facharztgruppen erwartet die Modellrechnung denn auch einen Rückgang der Beanspruchung um 10 Prozent.

Heutige Erwartungen auf dem Prüfstand

«In jedem Fall führt der neue Index vor Augen, dass heutige Vorstellungen davon, welche Regionen über- oder unterversorgt sind, mit Blick auf die nahe Zukunft auf den Prüfstand gehören», sagt Dominik von Stillfried, der Geschäftsführer des ZI. «Das gilt besonders dann, wenn zusätzlich berücksichtigt wird, dass der medizinische Fortschritt immer mehr ambulante Behandlungen möglich und immer weniger Krankenhausbehandlung notwendig macht.»
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Neue Widerspruchslösung auf Unbestimmt verschoben

Das neue Organspende-Register wird frühestens 2025 kommen. Nun propagiert Swisstransplant die alte Methode: den Spendeausweis.

image

Medizinisches Zentrum neben dem Hochhaus will hoch hinaus

In Ostermundigen bietet ein neues medizinisches Zentrum ab nächstem Montag eine Walk-In-Notfall-Praxis an. Bald soll es auch mehr sein.

image

Covid: «Impfopfer» reichen Strafanzeige gegen Swissmedic und Ärzte ein

Update: Ein Zürcher Anwalt geht im Namen von sechs vermutlich durch mRNA-Impfungen geschädigte Personen gegen Swissmedic und Ärzte vor. Swissmedic nimmt gegenüber Medinside Stellung.

image

«Keine unserer 34 Ärztinnen und Ärzte arbeiten 100 Prozent»

«Die jungen Ärztinnen und Ärzte wollen nicht mehr das finanzielle Risiko und die unternehmerische Verantwortung übernehmen.» Das sagt Axel Rowedder. Er hat Medix Toujours an Medbase verkauft.

image

Treibt der verurteilte Mein-Arzt-Chef sein Unwesen wieder in der Schweiz?

Christian Neuschitzer wurde wegen Corona-Kredit-Betrugs verurteilt und des Landes verwiesen. Nun soll er im Dunklen die Fäden bei einem Schweizer Praxis-Netzwerk ziehen.

image

Oft wird die Überwachung des Bluteiweisses im Urin versäumt

Eine neue Studie der Universität Zürich (UZH) zeigt: Bei der Vorsorge und Behandlung von Nierenerkrankten in der Schweiz bestehen Schwachstellen.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.