Von Efas profitieren die Kleinen

«Nicht alle Kantone sind gegen Efas», sagte jüngst Curafutura-Direktor Pius Zängerle. Er denkt insbesondere an die Nicht-Zentrumskantone.

, 1. August 2018 um 06:17
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Die Zentrumskantone haben überdurchschnittlich viele stationäre Fälle, da diese auch Patienten aus peripheren Kantonen anziehen. Und so fliessen immer grössere Beträge von den peripheren Kantonen in die Zentrumskantone.
Liegt zum Beispiel ein Urner in einem Zürcher Spital, so hat der Kanton Uri die vom Kanton geschuldeten 55 Prozent der Spitalkosten dem Kanton Zürich zu überweisen. 
Nach Einführung einer einheitlichen Finanzierung für ambulante und stationäre Fälle (Efas) wären es dann nur noch rund 25 Prozent. Dafür würde sich der Kanton an den Kosten für ambulatorische Einrichtungen im eigenen Kanton finanziell beteiligen – wenn auch via Krankenversicherer. Für Pius Zängerle, Direktor beim Krankenkassenverband Curafutura, müssten daher die Nicht-Zentrumskantone an Efas ein Interesse haben.

Kuhhandel

«Gibst Du mir, so gebe ich Dir.» Diese Redewendung dürfte nirgends so Anwendung finden, wie in der Politik. Im extremsten Fall werden zwei Sachthemen, die nichts miteinander zu tun haben, in ein und dasselbe Gesetz verpackt. Das gilt etwa für die umstrittene Reform der Firmensteuern und für die Zusatzfinanzierung der AHV
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Berechnung der Kantonsbeiträge Efas auf der Basis der abgerechneten stationären Tarife 2017 und mit einem Kostenanteil von 25,5% der Nettoleistungen.
Auch in der Gesundheitspolitik kommt man ohne Nehmen und Geben nicht vorwärts. Hier lautet das Gegengeschäft: Die Kantone akzeptieren (endlich) eine einheitliche Finanzierung der ambulanten und stationären Leistungen. Dafür erhalten sie als Geschenk die Kompetenz, die ambulante Versorgung im eigenen Kanton zu steuern. Medinside berichtete.

Efas auch für die Pflege?

Die Kantone stellen zwar noch weitere Bedingungen. Unter anderem wollen sie, dass auch die Langzeitpflege laut dem Efas-Modell finanziert wird. Soweit dürfte es nicht kommen, jedenfalls nicht in einem ersten Schritt.
Die Kantone wollen mit dieser Forderung dokumentieren, dass sie mittelfristig diese Vereinheitlichung anstreben. Schwierig und kompliziert ist dieses Vorhaben, weil bisher ein substanzieller Teil der Pflegekosten mit Ergänzungsleistungen finanziert wird, die wiederum von den Kantonen stammen. 
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