Unsere Verbände sind glaubwürdig und bekannt, aber…

Die Politiker empfinden das Lobbying der Gesundheits-Organisationen als eher diskret.

, 11. November 2015 um 16:00
image
  • hplus
  • santésuisse
  • politik
  • interpharma
  • curaviva
Der diesjährige Kongress des Spitalverbands H+ widmete sich der Frage, wer im Gesundheitswesen das Sagen hat. Aus verschiedenen Blickwinkeln loteten die Referenten den Einfluss von Spitaldirektionen, Ärzteschaft, Pflege, Krankenkassen, Parlament, Behörden, Politiker und Lobbyisten aus. 
Dabei präsentierte Roman Geiser, der CEO der PR-Agentur Farner, auch eine Umfrage über die Rolle der Lobbyisten auf der nationalen Polit-Bühne; und zwar hatte Farner dafür Parlamentarier von National- und Ständerat sowie aus allen Fraktionen befragt.

Bauern, Konzerne, Umweltverbände, Pharma

Ein Eindruck: Die Akteure des Gesundheitswesens treten eher diskret auf. Als intensiv empfinden die befragten Parlamentarier das Lobbying des Bauernverbands, der Economiesuisse und der Umweltverbände. Wobei der Bauernverband klar als erfolgreichster Lobbyist wahrgenommen wird, gefolgt von den Umweltverbänden und der Interpharma.
Am H+-Kongress wurden zugleich die Resultate einer Stakeholder-Befragung vorgestellt, welche die PR-Firma Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten bei Interessenvertretern aus dem Gesundheitsbereich durchgeführt hatte (im Auftrag von H+): Welche Gesundheits-Organisationen sind bekannt? Welche sind glaubwürdig? Dies sollte hier abgeklärt werden.
Von 2011 bis 2014 befragte also Hirzel.Neef.Schmid wichtige Figuren aus Branche, Politik und Wirtschaft, und jedes Jahr gehörte der Spitalverband H+ zu den drei meistgenannten Verbänden.
Beim Bekanntheitsgrad und dem Gewicht von Spitzenverbänden im Gesundheitswesen waren zum Beispiel dieses Jahr H+ (mit 22 Nennungen), die FMH (21) und der Kassenverband Santésuisse (20) in der führenden Dreier-Gruppe, dicht gefolgt von der neuen Versicherer-Gruppe Curafutura (18) und der Interpharma (14).
Bei der Durchsetzungskraft führte die Interpharma laut Einschätzung der befragten Experten (5.0), gefolgt von der FMH (4.7), der Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK und Santésuisse (je 4,5). Auf den Rängen fünf und sechs folgten  H+ und Curafutura (je 4.1). Die Skala reichte dabei von «1=gar nicht durchsetzungsfähig» bis «6=sehr durchsetzungsfähig»).
Bei der Glaubwürdigkeit führte dieses Jahr H+ (4.6) vor der GDK (4.5) sowie FMH (4.3) und Curafutura (4.00), gefolgt von der Interpharma und Santésuisse (je 3.8).

Spitalprofis erwarten mehr Gerangel

Am Kongress von H+ in Bern konnten sich die rund 400 Teilnehmer via eVoting auch selbst an der Bewertung der Machtfrage im Gesundheitswesen beteiligen. Die grosse Mehrheit der Abstimmenden – primär aus der Spitalbranche – bekundete, dass sich der Machtkampf zuspitzt: 41 Prozent voteten «spitzt sich stark zu» und 49 Prozent fanden: «spitzt sich zu».
Praktisch je zu einem Drittel, schätzten die Teilnehmer die Versicherer (28,9 Prozent), die Ärzte (30,8 Prozent) und die Politik (27,4 Prozent) als mächtigste Akteure ein, gefolgt von der Industrie (8 Prozent) und den Spitälern (5 Prozent).
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Monsieur Prix mag das Réseau de l’Arc

Preisüberwacher Stefan Meierhans schlägt vor, dass die Politik viel stärker auf grosse Gesundheitsnetze mit festen Budgets setzt.

image

Keine Zulassungserleichterung für Orphan Drugs

Eine schnellere Zulassung für Arzneimittel bei seltenen Krankheiten hätte laut dem Bundesrat hohe Kostenfolgen.

image

Kinder- und Jugendpsychiatrie: Nun soll's der Bundesrat richten

Der Nationalrat verlangt, dass der Bundesrat in die Kompetenz der Kantone und der Tarifpartner eingreift.

image

Forschung muss Frauen und Alte mehr berücksichtigen

Der Bund regelt die Forschung an Menschen stärker. Künftig sollen mehr Frauen und Alte teilnehmen.

image

Braucht es ein Bundesgesetz über die Gesundheit?

Ja, findet die Akademie der Medizinischen Wissenschaften – und formuliert gleich einen Vorschlag: So sähen ihre Paragraphen aus.

image

Bei der Gesundheit gibt es keine Bundes-Subventionen zu kürzen

Die Eidgenössische Finanzkontrolle will bei den Subventionen sparen. Der Gesundheitsbereich wird aber vom Bund kaum subventioniert.

Vom gleichen Autor

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.