Studie: Zusammenhänge von Impfschutz und Immunsuppression

Patienten mit Anti-CD20-Therapien zeigten eine bessere Immunantwort, wenn die Therapie länger als sechs Monate her war. Dies zeigt eine Metaanalyse, für welche Forscher des Inselspitals und der Universität Bern 23 von weltweit 90 Studien untersuchten.

, 8. Februar 2022, 11:13
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Personen mit einer immunsupprimierenden Therapie bauen nach mRNA-Impfungen nur einen schwachen oder fehlenden Impfschutz auf. Konkret handelt es sich um Personen mit einer Anti-CD20-Antikörpertherapie; diese wird etwa bei hämatologischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder für eine Nierentransplantation weltweit bei mehreren Millionen Patienten angewendet.

Antikörperantwort nur bei 40 Prozent der Patienten

Um die Zusammenhänge von Impfschutz und Immunsuppression weiter zu klären, führten Forscher der Universität Bern und des Inselspitals eine Metaanalyse durch. Die Forscher konnten zeigen, dass bei 40 Prozent der 1342 Patienten eine Antikörperantwort beziehungsweise bei 73 Prozent eine T-Zell-Immunantwort nachweisbar ist. Patienten mit einer Anti-CD20-Therapie seien demzufolge auch nach zwei Impfungen kaum gegen eine Sars-CoV-2-Infektion mit einem schweren Verlauf geschützt, schreibt die Insel Gruppe in einer Medienmitteilung.
Die Metaanalyse untersuchte 23 von weltweit insgesamt 90 Studien zu den Themen «anti-CD20», «Covid» und «Impfung» aus der Zeit bis zum 21. August 2021. In dieser Zeit war die Frage aktuell, wie gut die Schutzwirkung der Covid-Impfungen in der Praxis war. Co-Erstautor der Metaanalyse Manuel Anderegg sagt: «Die Studie zeigt, dass innert kürzester Zeit zahlreiche Forschungsgruppen ähnliche Fragestellungen verfolgten. Überraschend für uns waren die sehr unterschiedlichen Immunantworten in den verschiedenen Studien.»

Diese Untergruppen sind besonders empfindlich

Wie die Forscher herausfanden, sind die Unterschiede in der Immunantwort abhängig von der Zeitspanne seit der letzten Anti-CD20-Therapie. So zeigten 63 Prozent der Patienten eine gute Immunantwort, wenn die Zeitspanne grösser als sechs Monate war. Lag die Anti-CD20-Therapie hingegen weniger als sechs Monate zurück, zeigten lediglich 20 Prozent eine gute Immunantwort.
Patienten mit einer Anti-CD20-Therapie, die Empfänger von Nierentransplantaten waren, hätten deutlich schlechter abgeschnitten als solche mit einer hämatologischen Erkrankung oder Autoimmunerkrankung, schreibt die Insel Gruppe. Simeon Schietzel, ebenfalls Co-Erstautor der Analyse, erklärt: «Deshalb wird für diese Patientengruppen in der Schweiz gemäss der Eidgenössischen Kommission für Impffragen seit November 2021 generell ein angepasstes Schema mit drei Grund-Impfungen angewandt.»
Die empfindlichen Untergruppen bräuchten eine individuelle Betreuung, schreibt die Insel Gruppe. Matthias Moor, der die Studie geleitet hat, betont denn auch: «Wichtig ist zudem eine individuelle Beurteilung und Betreuung der besonders empfindlichen Patientinnen, damit die Therapie von Autoimmunerkrankungen, Begleitmedikamente z.B. nach einer Transplantation, die Behandlung von Begleiterkrankungen und im Falle von Covid-19 Erkrankung allenfalls ergänzende Passivimpfungen mit isolierten Antikörpern aufeinander abgestimmt werden können.»
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