Ärzte wenden viel Zeit für Pandemie-Massnahmen auf

Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz benötigen täglich mehrere Stunden für pandemiebezogenen Massnahmen. Und die Auswirkungen auf das Arbeitspensum unterscheiden sich deutlich zwischen den praxisambulant und den im Spital tätigen Ärzten.

, 27. Oktober 2020 um 08:38
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Die Spitalärztinnen und -ärzte setzten während des Lockdowns pro Tag durchschnittlich 2,1 Stunden ein für Pandemie-Massnahmen ohne direkten Patientenbezug auf. Und zusätzlich 2,9 Stunden für pandemiebezogene Massnahmen mit direktem Patientenbezug. Dazu gehören Vorbereitung, Bearbeitung und Verarbeitung. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Befragung der Ärzteschaft im Auftrag der Ärzteverbindung FMH. 
Besonders zeitintensiv waren die Massnahmen ohne direkten Patientenbezug für verschiedene Fachbereiche wie die Infektiologie mit durchschnittlich 5,1 und die Intensivmedizin mit 3,2 Stunden pro Tag.
Bei der praxisambulant tätigen Ärzteschaft war es etwas weniger: durchschnittlich 1,8 Stunden pro Tag für die Massnahmen ohne und zusätzlich 1,8 Stunden pro Tag mit direktem Patientenbezug. An der Erhebung zwischen Juni und Juli 2020 haben insgesamt über 1 550 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen.

Hälfte der Praxisärzte reduzierte das Pensum

Die Auswirkungen des Lockdowns auf das Arbeitspensum unterscheiden sich zudem deutlich zwischen den praxisambulant und den im Spital tätigen Ärztinnen und Ärzten: In der Akutsomatik blieb das Arbeitspensum für knapp die Hälfte der befragten Spitalärzte konstant und für einen Fünftel erhöhte sich dieses.
Für die praxisambulant tätige Ärzteschaft hingegen zeigt sich ein komplett anderes Bild: Lediglich 15 Prozent verzeichneten ein gleichbleibendes und nur 7 Prozent ein höheres Arbeitspensum. Dafür reduzierte die Hälfte das Pensum und 10 Prozent stellten die Arbeit sogar ganz ein. Eine deutliche Mehrheit erhielt dabei keine Kurzarbeitsentschädigung.
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Screenshot SAEZ

Hohe Belastung für Intensivmediziner und Infektiologen 

Auch hinsichtlich der Arbeitsbelastung ergaben sich Unterschiede, wobei diese vor allem zwischen den verschiedenen Fachgebieten festzustellen sind. Beispielsweise stimmten 26 Prozent aller befragten Ärztinnen und Ärzte mit dem Hauptfachgebiet Allgemeine Innere Medizin der Aussage eher oder sehr zu, dass die Corona-Pandemie ihre Arbeitsbelastung insgesamt stark erhöht hat. Und auch hier: Bei Personen mit dem Hauptfachgebiet Intensivmedizin oder Infektiologie lagen die Werte mit 44 Prozent respektive 85 Prozent deutlich höher.
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