Umfrage: Schweizer Spitäler müssen effizienter werden

Immer mehr anspruchsvolle Patienten müssen von weniger Fachkräften betreut werden: Der Effizienzdruck in Schweizer Spitälern nimmt weiter zu. Dies zeigt eine Umfrage von PwC bei den Direktoren von 250 Schweizer Kliniken.

, 27. Juni 2017, 14:00
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Mit welchen Herausforderungen sind die Spitalmanager derzeit konfrontiert? Antworten liefert der «CEO Survey Spitalmarkt Schweiz 2017» des Beratungsunternehmens PwC Schweiz. Direktoren von 252 Kliniken wurden in den Monaten Februar und März 2017 online befragt. Der Bericht zeigt auf, dass die Dynamik im Gesundheitswesen einen weiteren Gang zulegt hat. Konkret filterten die Autoren diese fünf Haupttrends heraus:  

1. Profitabilität 

Die Befragten rechnen mit weiter steigenden Fallzahlen - rund 4,5 Prozent ambulant und 2 Prozent stationär. Zugleich sinken aber die Tarife um jährlich 1 Prozent. Damit erhöht sich der Druck auf die Profitabilität. Zu Margenerhöhungen wird es kaum reichen. «Die Spitalverantwortlichen sehen stabile Produktivitätsmargen als Schlüsselaufgabe an», heisst es im Bericht. 
Trotz sinkender Tarife erwartet die Mehrheit der Befragten keine Einbussen bei der Profitabilität. Daraus lässt sich schliessen, dass das Einspar- und Optimierungspotenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft ist. «Effizienzsteigernde Massnahmen stehen darum weiterhin hoch im Kurs.» 
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Geplante Massnahmen in den nächsten fünf Jahren (PwC)

2. Effizienz

Effizienz ist auch darum gefordert, weil das Personalwachstum wegen des Fachkräftemangels nicht mit dem steigenden Patientenaufkommen Schritt halten wird. Während die Fallzahlen um 4,4 Prozent (ambulant) und 1,9 Prozent (stationär) zunehmen, erhöht sich der Personalbestand lediglich um 1,1 Prozent. Anders ausgedrückt: Mehr Patienten werden von weniger Fachkräften betreut.
«Es wird daher entscheidend sein, Abläufe zu entschlacken, diese neu zu denken und mit Technologien zu unterstützen, um bei gleichem Personalbestand mehr Patienten bestmöglich betreuen zu können», schreiben die Berater. Nahezu alle Spitalchefs planen denn auch, ihre Support- und medizinischen Kernprozesse in den nächsten drei bis fünf Jahren zu optimieren. 

3. Kooperationen

Die Konsolidierung in der Branche schreitet voran. Die Befragten halten allerdings Kooperationen mit vor- und nachgelagerten Institutionen für wichtiger als Kooperationen mit direkten Konkurrenten. Eine klare Mehrheit plant in der näheren Zukunft keine Kooperation mit Unternehmen aus anderen Branchen oder Lieferanten. Dabei wirft PwC die Frage auf, ob es tatsächlich wenig branchenfremde Kooperationsmöglichkeiten gibt oder ob diese unterschätzt werden. 
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Patientenerwartungen aus Sicht der Spitaldirektoren (PwC)

4. Patientenbedürfnisse

Die Bedürfnisse der Patienten werden heterogener und anspruchsvoller - und sind heute auch fester Bestandteil der Spitalstrategien. Klar ist, dass der Patient künftig im Zentrum stehen wird. Dazu Philip Sommer, Leiter Beratung Gesundheitswesen von PwC Schweiz: «Die Spitäler werden Initiativen ergreifen, um die steigende Patientenerwartung in Bezug auf Transparenz, Mitbestimmung, Komfort und kürzere Wartezeiten zu erfüllen.»
Die Mehrheit der CEOs glaubt nicht, dass sich die Erwartungen der Patienten an den Datenschutz erhöhen werden. Sie rechnen aber damit, dass der Patient in Zukunft einen besseren Zugang zu den Daten verlangt. 

5. Ambulant vor stationär

Die Verlagerung von stationären zu ambulanten Behandlungen setzt sich fort. Ganze 90 Prozent der Spitaldirektoren planen den Aufbau von ambulanten Zentren oder Käufe von Hausarztpraxen. Dies für die Verbesserung der Patientenakquise und der Entlastung der teuren Notfallaufnahmen und Tageskliniken. 
Die PwC-Berater geben allerdings zu bedenken, dass der profitable Betrieb von rein ambulanten Einrichtungen in Spitalbesitz angesichts sinkender Tarife «zunehmend anspruchsvoll» werde. In einer Zeit, in der branchenfremde Marktteilnehmer wie Coop oder Migros mit innovativen Geschäftsmodellen vordringen, sollte eine Ambulantisierung jedenfalls gründlich geplant werden. 

Fazit

Welche Schlüsse sind aus der Umfrage zu ziehen? Die PwC-Berater geben diese drei Empfehlungen ab: 
  • Der Patient und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt der Handlungen stellen, 
  • Geschäftsmodelle und Betriebskonzepte innovativ ausrichten und anpassen,
  • Integration vor- und nachgelagerter Institutionen verstärken. 
«CEO Survey Spitalmarkt Schweiz 2017» - Trends und Herausforderungen für Schweizer Spitäler und Kliniken - PwC, Juni 2017
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