Schwangerschaftsabbrüche: «Markante Unterschiede»

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche geht insgesamt leicht zurück. Nun hat der Bund untersucht, wie, wo und an wem die Eingriffe durchgeführt werden.

, 11. August 2015, 13:00
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Pro Jahr werden in der Schweiz rund 11'000 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Die Zahl ging 2014 zum vierten Mal in Folge leicht zurück, wie das Bundesamt für Statistik in seiner am Dienstag veröffentlichten «Bestandesaufnahme der Schwangerschaftsabbrüche» schreibt. Knapp die Hälfte der Frauen mit Wohnsitz in der Schweiz, die sich einem Schwangerschaftsabbruch unterzogen haben, besitzen eine ausländische Staatsbürgerschaft, heisst es. 
Wenn man von den im Ausland wohnhaften Frauen absieht, werden zurzeit 6,3 Abbrüche pro Jahr auf 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren registriert. Dabei gibt es allerdings grosse Unterschiede: Bei Ausländerinnen mit Wohnsitz in der Schweiz ist die Abbruchrate zwei- bis dreimal so hoch wie bei den Schweizerinnen (4,4 pro 1000). Bei Lateinamerikanerinnen mit Wohnsitz in der Schweiz betrage die Abbruchrate sogar 15,2 und bei den Afrikanerinnen 35,1.

Psychosoziale Gründe ausschlaggebend

Warum die Frauen sich für einen Abbruch entschieden, ist bei einem Drittel der Fälle bekannt. Der Grossteil (93 Prozent) der Eingriffe erfolgen aus psychosozialen Gründen: Die Frauen geben beispielsweise an, die finanzielle Situation ermögliche es ihnen nicht, das Kind zu behalten oder sie fühlten sich nicht imstande, ein Kind aufzuziehen.
Weitere Gründe für den Abbruch waren somatische Probleme bei Mutter oder Kind (5 Prozent) und psychische Erkrankungen (1,3 Prozent). Bei 0,6 Prozent der Eingriffe erfolgte der Abbruch wegen ungewolltem Geschlechtsverkehr.

Viele benutzen kein Verhütungsmittel

Das BFS hat auch erhoben, ob und wie die Frauen, die sich später für einen Abbruch der Schwangerschaft entschieden, verhütet hatten. In 40 Prozent der Fälle benutzte die Frau zum Zeitpunkt der Empfängnis demnach kein Verhütungsmittel. In einem Drittel der Fälle wurde ein Präservativ benutzt und 15 Prozent der Frauen wurden trotz Einnahme der Verhütungspille schwanger.

Internationale und kantonale Unterschiede

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist die Schwangerschaftsabbruchrate in der Schweiz sehr tief; in Schweden ist sie am höchsten. Mehr als 60 Prozent der Abbrüche werden in den ersten sieben Schwangerschaftswochen durchgeführt. Dabei wird in 94 Prozent der Fälle die medikamentöse Methode angewendet.  
Auch kantonal gibt es laut BFS markante Unterschiede: Die Kantone Genf, Waadt, Neuenburg, Tessin, Basel-Stadt und Zürich weisen überdurchschnittliche, Kantone der Zentral- und Ostschweiz unterdurchschnittliche Abbruchraten auf. 

Die Hälfte hat keine Kinder

Die Zahlen des BFS geben auch Aufschluss über den Beziehungsstatus der Frauen, die sich 2014 für einen Abbruch entscheiden: 30 Prozent waren verheiratet, 44 Prozent lebten mit dem Partner oder Freund zusammen. Rund die Hälfte hatte noch keine Kinder, 40 Prozent hatten bereits eines oder zwei, 9 Prozent drei oder mehr Kinder. Bei fast drei Vierteln der Fälle handelte es sich um den ersten Schwangerschaftsabbruch.


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