Schwangerschaft-Ultraschall: Santésuisse wittert Missbrauch

Sind zwei, drei oder gar sechs Baby-Bilder pro Schwangerschaft «angemessen»? Es gibt Zweifel am Ist-Zustand. Und der Verband Schweizer Frauenärzte zeigt Verständnis dafür.

, 13. Juni 2016 um 08:42
image
  • gynäkologie
  • versicherer
  • santesuisse
  • geburtshilfe
Pro Schwangerschaft rechnet der Bund mit zwei Ultraschall-Bildern des ungeborenen Kindes. In der Praxis sieht das aber ganz anders aus: Normalerweise machen Ärzte fast immer mehr als zwei Ultraschalluntersuchungen.
Wie viele Bilder vom ungeborenen Kind sind also angemessen? Diese Frage gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen zwischen Versicherern und Ärzten oder werdenden Eltern. Urs Vogt, Vertrauensarzt beim Krankenkassenverband Santésuisse, beobachtet, dass sechs Bilder pro Schwangerschaft die Regel geworden sind, wie er gegenüber Radio SRF sagte. 

«Das kostet die Prämienzahler Millionen»

Das bezeichnet er als «missbräuchlich», weil das Ganze in die Millionen gehe – was schliesslich die Prämienzahler berappen müssten.  

«Stichwort Risikoschwangerschaft»

Zwei Ultraschalluntersuchungen (in der SSW 10 - 13 und der SSW 19 - 22) sowie so viele Ultraschalluntersuchungen wie nötig in einer Risikoschwangerschaft. In der Praxis werden normalerweise jedoch fast immer mehr als zwei Ultraschalluntersuchungen gemacht. Die meisten Krankenkassen bezahlen diese Ultraschalluntersuchungen auch, sofern sie medizinisch begründet sind. 
Die zusätzlichen Untersuchungen rechnen die Ärzte unter dem Posten «Komplikationen» ab. Urs Vogt bezweifelt nun aber, dass es so viele komplizierte Schwangerschaften gibt.

Frauenärzte-Verband: Drei statt zwei Bilder 

Der Verband der Schweizer Frauenärzte findet diesen Vorwurf nicht ganz abwegig. «Der Schwangerschafts-Ultraschall ist sicher nicht nutzlos. Aber man kann unter Umständen schon zu viel machen, wenn es dann zu Lasten der Kasse geht», erklärt im Radiobeitrag Roland Zimmermann von Gynécologie Suisse, dem Verband der Schweizer Frauenärzte.
Andererseits gebe der Ultraschall den Schwangeren Sicherheit – und Komplikationen wie Blutungen seien nun einmal häufig. Roland Zimmermann will dem Bund vorschlagen, künftig drei Baby-Bilder pro Schwangerschaft vorzusehen.
«Zu viele Ultraschillbilder pro Schwangerschaft», Radio SRF, «HeuteMorgen» vom 13.6.2016 mit Audio-Beitrag (1:24 min). 

  • Das läuft im Gesundheitsbereich: Abonnieren Sie den Medinside-Newsletter

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Krankenkassen und Ärzte wollen keine Regulierung für Netzwerke

Der Krankenkassen-Verband Curafutura fürchtet Mehrkosten und Bürokratisierung.

image

Spital Bülach: Neue Leiterin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe

Margaret Hüsler tritt Anfang Februar als neue Chefärztin an.

image

Krankenkassen wollen keine Zahn-Kontrollen zahlen

Der Verband Curafutura stemmt sich gegen das Ansinnen, dass die Grundversicherung Dolmetscher-Dienste, Zahn-Vorsorge und DH berappen soll.

image

Bundeskasse statt Krankenkasse: 40 Prozent liebäugeln mit einer Gesundheitssteuer

Und die Idee einer Einheitskasse hätte jetzt offenbar eine Mehrheit in der Bevölkerung – so eine neue Erhebung.

image

Ein Chief Medical Officer für das Spital Emmental

Matthias Scheidegger wird die Ärzteschaft des Regionalspitals intern und extern vertreten.

image

Krankenkassen zahlen neu vorsorgliche Brustentfernung

Frauen mit Hochrisikogenen können sich künftig auf Kosten der Krankenkasse die Brüste oder den Eierstock entfernen lassen.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.