Santésuisse stellt sich hinter fmCh-Tarifunion

«Gleiche Spielregeln für alle»: Die Spezialärzte wollen bei der Aushandlung der Tarmed-Strukturen das Heft selber in die Hand nehmen und distanzieren sich von der FMH. Die Versicherer wittern hier die Chance für innovative Lösungen.

, 25. Januar 2016, 08:43
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Santésuisse begrüsst die Gründung der neuen fmCh-Tarifunion: Die neue Organisation schaffe «gute Voraussetzungen für innovative Lösungen bei der Tarifierung von Arztleistungen», resümiert der Kassenverband in einer Mitteilung.
Die von der fmCh-Tarifunion geforderte «ergebnisoffene, datenbasierte Revision» sei im Interesse einer sachgerechten und wirtschaftlichen Weiterentwicklung des Ärztetarifs.

Offen für weitere Organisationen

Im November hatte der Dachverband der chirurgisch und invasiv tätigen Ärzte eine neue Tarifunion lanciert, die unter anderem «Sonderregelungen für bestimmte Ärztegruppierungen und politisch motivierte Eingriffe in den Tarif» bekämpfen will: «Es sollen die gleichen Spielregeln für alle gelten», so die Mitteilung zur Lancierung.
Der Union haben sich inzwischen auch die Kardiologen, die Gastroenterologen, die Radiologen und die Angiologen angeschlossen.
Im Kern geht es um die Anliegen der Spezialärzte, die bei den Verhandlungen beziehungsweise der Tarifierung zu kurz kämen. Die neue Tarifunion soll als offene Plattform dienen, die noch weiteren Spezialisten-Verbänden, Belegärztevereinigungen und anderen Organisationen offen steht: «Nur so kann den legitimen Ansprüchen der Spezialärzte Nachachtung verschafft werden». Und so wollen die Spezialisten via die neue Union selber mit den Krankenversicherern verhandeln – und damit auch der Tarifautonomie wieder verstärkt Nachachtung verschaffen. 

«Von der FMH schlecht vertreten»

«Wir Spezialärzte fühlen uns in Tariffragen von der FMH schlecht vertreten», erklärte der Generalsekretär der fmCh, Markus Trutmann, in der «Neuen Luzerner Zeitung» (Paywall).
Auslöser der Friktionen war, dass der Bundesrat im Herbst 2014 die Entschädigung der Haus- und Kinderärzte für die Grundkonsultation erhöhen liess. Und um diesen Schritt kostenneutral zu gestalten wurden die Tarmed-Sätze für gewisse Spezialisten-Angebote gesenkt: Die Tarifpartner sollten 200 Millionen von der einen auf die andere Seite verlagern. 
Für Markus Trutmann war dies ein Missbrauch der Tarifstruktur. Die pauschale Kürzung bei den Spezialärzten sei «ohne sachliche Begründung, wie es das Gesetz vorschreibt», erfolgt. 

Allzu eifriges BAG

In der «Neuen Luzerner Zeitung» wehrte sich der fmCh-Vertreter auch gegen Einwand, die Spezialisten würden vom aktuellen Tarif begünstigt – immerhin werden ja diese auch in der Öffentlichkeit als die Top-Verdiener wahrgenommen, mit klarem Vorsprung vor Allgemeinversorgern oder Kinderärzten. Der Tarmed sei einst für alle Ärztegruppen betriebswirtschaftlich berechnet worden, kontert Trutmann in der NLZ: Einkommensunterschiede seien durch die unterschiedlichen Arbeitszeiten bedingt – denn bei den Allgemeinärzten habe es viel mehr Teilzeit-Tätige. Auch hänge die Höhe des Einkommens eines Arztes vom Anteil zusatzversicherter Patienten ab.
Zur Lancierung der neuen Tarifunion trug aber offenbar auch bei, dass sich das BAG allzu eifrig die laufenden Tarifverhandlungen einschaltete und damit auch von dieser Seite an der Tarifautonomie ritzte: «Quasi millimetergenau werden Vorgaben gemacht, wie wir den Tarif zu gestalten haben», sagt Markus Trutmann. Und da die FMH hier nicht genügend Widerspruch anmeldete, hätten die Spezialärzte jetzt das Heft selber in die Hand genommen. 
Die Notwendigkeit zur Revision des aus dem Jahr 2004 stammenden Tarifwerks Tarmed sei bei allen Tarifpartnern unbestritten, fasst nun Santésuisse zusammen. Der Versicherer-Verband seinerseits sei offen für innovative Lösungen.
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