Rettungsdienst Winterthur vergrössert Einsatzgebiet

Dank mehr Standorten schneller am Einsatzort: So lautet die neue Strategie des Rettungsdienstes Winterthur. Neben der Hauptwache im Spital und in Kemptthal kommen zwei neue Posten hinzu.

, 19. April 2022 um 07:00
image
Der Rettungsdienst Winterthur erschliesst sein Einsatzgebiet mit weiteren Standorten, wie das Kantonsspital Winterthur (KSW) kürzlich in einer Medienmitteilung schrieb.
Die Hauptwache am KSW und die Wache Süd-West in Kemptthal – die bereits seit 2014 in Betrieb ist – werden ergänzt durch Andelfingen (Wache Nord) und vorderes Tösstal (Wache Süd-Ost).

Bei der Feuerwehr zur Untermiete  

Die neue Wache in Andelfingen ist seit Anfang Februar dieses Jahres in Betrieb. Sie befindet sich im Feuerwehrdepot, das dafür extra ausgebaut wurde. Dort ist ein Rettungswagen mit einer Zweierbesatzung stationiert – rund um die Uhr während sieben Tagen in der Woche. «Schichtbeginn und -ende finden allerdings immer auf der Hauptwache in Winterthur statt. Das macht aus logistischen und innerbetrieblichen Überlegungen Sinn», sagt Markus Moser, Bereichsleiter Einsatzplanung beim Rettungsdienst Winterthur.
Während in Andelfingen und Kemptthal je ein Rettungswagen stationiert ist, soll die geplante Wache im Raum vorderes Tösstal vorerst nur während des Tages besetzt werden. Wie es in der Medienmitteilung des KSW heisst, bleiben in der Hauptwache in Winterthur zwei Rettungswagen, die Notärztin oder der Notarzt und die Schichtleitung, die zusammen mit dem Notarzteinsatzfahrzeug ausrückt. 

«Wir arbeiten sogar auf zehn Minuten hin» 

Gemäss Markus Huggler, Leiter des Rettungsdienstes Winterthur, wurde die dezentrale Standortstrategie nötig, um die Vorgaben des Interverbands für Rettungswesen und der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich weiterhin zu erfüllen. «Die Richtlinien verlangen, dass unsere Fahrzeuge in 90 Prozent aller Fälle, bei denen eine vitale Gefährdung vermutet wird oder eine solche feststeht, den Einsatzort vom Moment des Alarms an in maximal 15 Minuten (Hilfsfrist) erreichen», sagt Huggler und fügt an: «Aus notfallmedizinischen Überlegungen arbeiten wir sogar auf zehn Minuten hin.»

Dreimonatiger Feldversuch

Um die Hilfsfrist weiter zu verbessern, sei schnell klar gewesen, dass nur eine dezentrale Standortstrategie die Lösung sei, so Huggler. «Das hat auch eine Studie bestätigt, die von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich initiiert worden ist. Bereits zuvor haben wir mit der Wache in Kemptthal, die seit 2014 in Betrieb ist, positive Erfahrungen gesammelt. 2018 haben wir zudem einen dreimonatigen Feldversuch mit einer temporären Wache in Hünikon durchgeführt, der die Ergebnisse ebenfalls bestätigt hat», sagt der Leiter des Rettungsdienstes Winterthur.
Gemäss Huggler haben denn auch erste Ergebnisse von Auswertungen gezeigt, dass die Einsatzkräfte im März dieses Jahres in 84 Prozent der Fälle innerhalb der vorgegebenen Frist am Einsatzort waren – im März vergangenen Jahres haben sie das in 69 Prozent der Fälle geschafft.

Keine zusätzlichen Rettungswagen und auch nicht mehr Personal 

Huggler sagt, durch die neue Standortstrategie würden keine zusätzlichen Ressourcen benötigt – weder in Bezug aufs Personal noch auf Rettungswagen. Er fügt an: «Sollten wir in nächster Zeit zusätzliche Leute einstellen, geschieht dies, weil unser Einsatzvolumen stetig zunimmt – seit 2015 um knapp 20 Prozent.» 

Über den Rettungsdienst Winterthur

Im Kanton Zürich ist die medizinische Notfallversorgung Aufgabe der Gemeinden. Die Gemeinden des Einsatzgebietes rund um das Kantonsspital Winterthur (KSW) haben sich im Verein «Interessengemeinschaft Rettungsdienst Region Winterthur» zusammengeschlossen. Den Auftrag, einen Rettungsdienst zu betreiben, haben sie an das KSW vergeben.
Der Rettungsdienst Winterthur ist für 46 Gemeinden zwischen Rhein und Tösstal zuständig – in diesem Gebiet leben mehr als 250'000 Menschen. Der Rettungsdienst Winterthur rückt durchschnittlich 27 Mal pro Tag und Nacht aus – das entspricht rund 10'000 Einsätzen pro Jahr. 
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Zürcher Spitäler: Leichte Erholung bei den Fallkosten

Die durchschnittlichen Fallkosten der Zürcher Akutspitäler blieben 2024 nahezu konstant, während die Patientenzahl deutlich anstieg.

image

Temporärarbeit: Weko lässt Zürcher Spitäler vom Haken

Trotz Verdacht auf heikle Absprachen eröffnet die Wettbewerbskommission kein Verfahren. Die Spitäler profitieren davon, dass ihr Temporärpersonal-Entscheid den Arbeitsmarkt betrifft – also eine Grauzone.

image

Flexibilität oder Fairness? Debatte um Löhne an Zürcher Spitälern

In Zürich will eine Initiative den Spitalangestellten per Gesetz den Teuerungsausgleich sichern. Der Kantonsrat hob die Vorlage jetzt über die erste Hürde – ganz knapp.

image

Zürcher Spitalliste 2026: Uster ohne Auflagen, Absage für Zollikerberg

Der Regierungsrat passt die Spitalliste an: Uster erhält seine Aufträge ohne Auflagen, Affoltern testet eine ‹Notfallstation light›, Zollikerberg bekommt keine Kinderklinik.

image

Kanton Zürich: Spitäler auf Erholungskurs

Der Turnaround bei USZ und KSW nimmt Formen an: Beide erwarten für 2026 klar bessere Finanzergebnisse: Dies zeigt der Budgetentwurf der Kantonsregierung.

image

Führungswechsel in Zürichs Gesundheitszentren für das Alter

Tatjana Meyer-Heim wird Ärztliche Direktorin der Langzeitpflege-Institutionen der Stadt Zürich. Sie tritt die Nachfolge von Gaby Bieri-Brüning an.

Vom gleichen Autor

image

«Ich brauchte nach der Pause mindestens drei Jahre»

Daniela Fürer arbeitete rund eineinhalb Jahre als Intensivpflegefachfrau, dann wurde sie Mutter und machte eine lange Pause – bis zum Wiedereinstieg.

image

Quereinstieg Pflege: Hunger auf beruflichen Neubeginn

Der Rucksack von Annette Gallmann und Peter Kienzle ist gefüllt mit allerhand Arbeits- und Lebenserfahrung. Die 47-jährige Gastronomin und der 52-jährige Art Director machen die Ausbildung HF Pflege.

image

Hat das Stethoskop auf Arztfotos seine Berechtigung?

Ärztinnen und Ärzte werden fast immer mit einem Stethoskop um den Hals abgelichtet. Braucht’s das? Und: Ist das medizinische Diagnoseinstrument überhaupt noch zeitgemäss?