Dieser Professor fordert Gesundheit als Schulfach

Adipositas, Verhaltensstörungen oder Rückenschmerzen: Immer mehr Kinder sind offenbar körperlich und seelisch krank. Ein Lösungsansatz: Gesundheitsunterricht an Schulen.

, 30. Mai 2022, 08:29
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Lebensstilbedingte Erkrankungen stellen in zivilisierten Gesellschaften die Todesursache Nummer 1 dar und nehmen immer weiter zu. So gehen fast 80 Prozent der Krankheitslast in Europa auf Erkrankungen zurück, die weitgehend vermeidbar sind. Im Fokus stehen: Bewegungsmangel und falsche Ernährung.
Diese Entwicklung beunruhigt Expertinnen und Experten. Gesundheitsökonom Jörg Loth von der Krankenkasse IKK Südwest aus Deutschland spricht sich nun für einen «systematischen und regelmässigen Gesundheitsunterricht» an Schulen aus.
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Jörg Loth. | Quelle: IKK Südwest

Nicht nur Bio oder Sport als Schulfach

Ziel müsse eine frühzeitige und altersgerechte Vermittlung von Gesundheitsthemen sein, sagt Loth, der als Professor für Ökonomie an der Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken lehrt. Damit soll ein aktives Bewusstsein für den eigenen Körper und Geist – und deren Gesunderhaltung – entwickelt werden.
Denn die Grundlagen für ein gesundes Leben werden ihm zufolge entscheidend in der Kindheit gelegt. Oft wüssten die Betroffenen aber zu wenig darüber. Diese Realität müsse stärker in den Lehrplänen abgebildet werden und sich nicht auf die Fächer Biologie oder Sport beschränken. Auch über Gesundheit als eigenständiges Schulfach, das aktuelle und alltagsnahe Inhalte aufnimmt, sollte gemäss Loth diskutiert werden. 

Kompetenzen im «Arzt-Patienten-Verhältnis» vermitteln

Konkret sollten dabei neben Bewegung auch das Thema Essverhalten oder Frühstückskultur auf dem Lehrplan stehen. Auch die Vermittlung von Kompetenzen im «Arzt-Patienten-Verhältnis» sowie eine inhaltliche Auseinandersetzung mit aktuellen und vermeidbaren Krankheitsbildern gehören demnach dazu, so Loth weiter. 
Es betrifft aber nicht nur Adipositas als Risikofaktor für Krankheiten oder Rückenbeschwerden bei Heranwachsenden, die bei Kindern oft mit der Einschulung beginnen. Es geht auch um auch die Psyche: So seien immer mehr Kinder und Jugendliche psychisch- und verhaltensauffällig mit Krankheitsbildern wie beispielsweise ADHS. Vor allem Mädchen seien hier deutlich stärker betroffen, heisst es.

Im Interesse des Staates

Neben dem wesentlichen Ziel, lebensstilbedingte Erkrankungen zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren, gehe es auch um mehr als nur Gesundheitskompetenz: Es müsse im Interesse des Staates sein, Lösungen zu schaffen, die als solche auch die Volkswirtschaft sowie das Gesundheitssystem und damit den Prämienzahler langfristig finanziell entlasten würden. 
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