Pharmasuisse warnt vor Apothekermangel

Die Zahl der Pharmazie-Studenten müsste massiv steigen, wenn nicht bald schon Lücken in der Versorgung klaffen sollen.

, 8. November 2015, 15:06
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Es braucht deutlich mehr Pharmazie-Studenten – und zwar bald: Zu diesem Schluss kommt die B, S, S Volkswirtschaftliche Beratung AG in einer Studie für den Apothekerverband Pharmasuisse
Der politische Wunsch, dass die Apotheker stärker in die Grundversorgung einbezogen werden, zeitigen offenbar auch Folgen für die Ausbildungssituation: Damit steige auch der Bedarf an ausgebildeten Apothekern, so eine Einsicht der Studie. 
B, S, S versuchte festzumachen, wie gross der künftige jährliche Ausbildungsbedarf von Apothekern an Schweizer Universitäten bis 2025 sein dürfte. Ein Ergebnis: Um einem Apothekermangel vorzubeugen, sollten baldmöglichst Massnahmen ergriffen werden.

400 genügt nicht, 600 im Minimum

Derzeit beginnen jährlich rund 400 Studenten ein Pharmazie-Studium, womit der aktuelle Bedarf knapp gedeckt sei. Allerdings zeichne sich wie bei den Hausärzten bereits heute eine schwierige Stellenbesetzung in der Peripherie ab.
Diese Entwicklung dürfte sich nun weiter akzentuieren. Im Jahr 2025 müssten laut der Studie 600 junge Menschen ein Pharmazie-Studium aufnehmen können, um den Bedarf an Apothekern zu decken; denn dieser werde etwa 350 bis 400 Studienabgänger pro Jahr betragen.

Positive Entwicklungen, aber das reicht nicht

Kommt hinzu: Im Hintergrund steht dabei die Erwartung, dass zur Abdeckung teilweise auch ausländische Apotheker gewonnen werden können. Falls dies nicht möglich wäre, dann «müssten bis 2025 rund 750 Studieneintritte pro Jahr erfolgen, um den inländischen Fachkräftebedarf an Apotheker/innen zu decken», so die BSS-Autoren.
Zwar gebe es durchaus positive Entwicklungen, meldet der Apothekenverband: In Basel haben diesen Herbst 150 Studierende, an der Ecole de Pharmacie Genève-Lausanne 161 ihr Pharmaziestudium auf. An der ETH Zürich schaffen Pläne für eine Studienreform die Grundlage für den Ausbau der klinischen Pharmazie. In Bern prüft man die Wiedereinführung des Pharmazie-Vollstudiums. 
Aber daneben erachtet Pharmasuisse die Möglichkeit zum Studieneinstieg an weiteren Universitäten als notwendig, um die erhöhte Nachfrage decken zu können. 

B, S, S: «Ausbildungsbedarf für Apothekerinnen und Apotheker. Ermittlung Ersatz- und Zusatzbedarf bis 2025», November 2015.


  • In der Erhebung suchten rund 19 Prozent der befragten Apothekenbetriebe mindestens einen Pharmazeuten. 
  • 79 Prozent der Befragten schätzten die Suche nach geeigneten Apothekern als sehr schwierig oder schwierig ein. 
  • Und mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Befragten gaben an, dass die Suche nach geeigneten Apothekern in den letzten fünf Jahren schwieriger geworden ist.
  • Rund 48 Prozent erwarten, dass sich die Suche nach geeigneten Apothekern in den nächsten fünf Jahren noch schwieriger gestalten wird.
  • Mit 0,9 Prozent weisen die Apotheker auch eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten überhaupt auf.

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