Pharmagelder: Das sind die 10 Top-Empfänger

Pharmaunternehmen zahlten 2016 rund 155 Millionen an Ärzte und Spitäler - über 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Arzt mit dem höchsten Bezug erhielt über 70'000 Franken.

, 15. August 2017, 11:39
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Seit 2016 veröffentlichen Pharmaunternehmen in der Schweiz alle Geldzahlungen, die sie jährlich an Ärzte, Spitäler und Gesundheitsorganisationen leisten. Jede Firma publiziert allerdings die Zahlen für sich, warum es schwierig ist, einen Überblick zu erhalten. 
Die Stiftung für Konsumentenschutz, die Zeitschrift Beobachter und das deutsche Recherchenetzwerk Correctiv haben die Daten einmal mehr so aufbereitet, dass nun jeder nachschlagen kann, welche Person oder Organisation von welcher Firma wie viel Geld erhalten hat. 
Insgesamt liessen die Pharmakonzerne den Leistungserbringern 155 Millionen Franken zukommen - Reise- und Übernachtungskosten, Honorare für Referate oder Gebühren für Fachtagungen. Das sind 16 Millionen oder 11,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 23 Millionen Franken liess Novartis am meisten Geld springen, gefolgt von Roche mit 14 Millionen und Pfizer mit 11 Millionen Franken. 

Jeder dritte Arzt anonym

9,4 Millionen Franken flossen direkt an fast 5'000 Ärzte der Schweiz. Zusätzlich gingen 4,6 Millionen Franken an schätzungsweise 3'500 namentlich nicht genannte Ärzte. Sie weigerten sich, ihre Namen offenzulegen. Die Stiftung für Konsumentenschutz nimmt an, dass fast jeder dritte Arzt nicht namentlich dazu steht, Geld von der Pharmaindustie zu erhalten. 
Viele vierstellige Beträge wurden verteilt, aber auch hohe Summen. Fasst man die Bezugsjahre 2015 und 2016 zusammen, steht der Onkologe Matti Aapro von der Clinique de Genolier an der Spitze. Nachdem er im Vorjahr 97'214 Franken bezogen hatte, erhielt er 2016 noch knapp 35'000 Franken. Spitzenreiter des Jahres 2016 ist der Gynäkologe Johannes Bitzer, ehemaliger Chefarzt am Universitätsspital Basel: Er erhielt über 70'000 Franken von der Pharmaindustrie.
Hier die Top Ten der Zahlungsempfänger (2015 / 2016):
  1. Matti Aapro, Clinique de Genolier: 132'140 Franken (97'214 / 34'926 Franken)
  2. Johannes Bitzer, Basel - 120'168 Franken (49'629 / 70'539 Franken)
  3. Rolf Stahel, Universitätsspital Zürich - 117'089 Franken (60'452 / 56'637 Franken)
  4. Cem Gabay, Universitätsspital Genf (HUG) - 83'073 Franken (66'598 / 16'475 Franken)
  5. Michael Weller, Universitätsspital Zürich - 80'942 Franken (28'181 / 52'761 Franken)
  6. Marc Donath, Universitätsspital Basel - 78'013 Franken (26'715 / 51'298 Franken)
  7. Solange Peters, Universitätsspital Lausanne (CHUV): 77'680 Franken (41'330 / 36'350 Franken)
  8. Jan Steffel, Universitätsspital Zürich: 76'588 Franken (47'895 / 28'693 Franken)
  9. Jean Dudler, Freiburger Spital (HFR) - 72'534 Franken (38'641 / 33'893 Franken)
  10. Gerhard Rogler, Universitätsspital Zürich - 71'005 Franken (29'967 / 41'038 Franken)
(Quelle: Correctiv)

Pharmageld für Ärzte: Wer erhält wieviel von wem? Hier gehts zur Suchmaske des Konsumentenschutzes.

Bund soll für Transparenz sorgen

Die Stiftung für Konsumentenschutz kritisiert erneut die für Laien mangelhafte Aufbereitung der Daten durch die Pharmaindustrie. «Die sogenannte 'Transparenzinitiative' der Pharmaindustrie zeigt, dass die Selbstregulierung der Branche weder ernst gemeint ist noch funktioniert», schreibt sie. 
Nicht nur werde ein Überblick verunmöglicht, auch seien die Daten unvollständig. Zahlungen werden nur veröffentlicht, wenn die Empfänger einverstanden sind. Rund 70 Millionen Franken werden anonym vergeben, also fast die Hälfte der Zahlungen.   
Der Konsumentenschutz fordert den Bund auf, die Zuwendungen zu regulieren. Erstens müssten sämtliche geleisteten Zahlungen gebündelt, aufbereitet und offengelegt werden. Zweitens dürfen nur Zahlungen zugelassen werden, welche tatsächlich der Forschung, Entwicklung, Weiterbildung und «weiteren sinnvollen Zielen» zugute kommen. Gelder für Anwendungsbeobachtungen und andere Marketing-Zwecke sollen zum Beispiel verboten werden. 
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