Pflegeheime: Leere Betten im Wachstumsmarkt

Obschon es immer mehr betagte Menschen gibt, sinkt die Bettenauslastung in Schweizer Pflegeheimen. Die Credit Suisse sieht dies in einer Studie als Zeichen eines Strukturwandels.

, 24. April 2018, 12:07
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Die Alterspflege ist ein Wachstumsmarkt. Derzeit leben in der Schweiz mehr als 430'000 Betagte, die älter als 80 sind; 2040 werden es 870'000 sein. Die Ökonomen der Credit Suisse gehen in einer Analyse zum Schweizer Pflegemarkt davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2040 um 60 Prozent ansteigt. 
Trotz der steigenden Anzahl Pflegebedürftiger ist der Belegungsgrad der Langzeitbetten in Schweizer Pflegeheimen zwischen 2012 und 2016 von 96 auf 94 Prozent gesunken. In 15 von 106 untersuchten Regionen nahm die Belegung sogar um mehr als 5 Prozentpunkte ab. 
Die Autoren der Studie sehen den Grund dafür in erster Linie im Strukturwandel in der Alterspflege. Immer mehr Kantone setzen verstärkt auf die ambulante Pflege, deren Angebot in den letzten Jahren stark ausgebaut wurde. «Momentan kann zusätzliches Bettenangebot besonders in Regionen mit einer hohen Heimdichte nicht vollständig absorbiert werden», heisst es. 

Hohe Nachfrage nach ambulanten Angeboten

Es sei davon auszugehen, dass gewisse Deutschschweizer Regionen mittelfristig keine oder nur sehr wenige zusätzlichen Pflegebetten benötigten. Ein flächendeckendes und anhaltendes Überangebot wird indessen nicht erwartet. Die Ökonomen rechnen damit, dass der Bettenbedarf langfristig in den meisten Gegenden der Schweiz steigt. Schweizweit erwarten sie bis 2040 einen Zusatzbedarf von knapp 30'000 Betten.
Die Nachfrage nach ambulanten Angeboten – wie etwa das betreute Wohnen – dürfte jedoch stärker zunehmen. In einer ersten Schätzung gehen die Autoren davon aus, dass bis ins Jahr 2040 zwischen 25'000 und 45'000 zusätzliche betreute Alterswohnungen bereit gestellt werden müssen. 
Zur Kurzanalyse: «Pflegeheime: Leere Betten im Wachstumsmarkt», Credit Suisse
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