Höchstens noch 45-Stunden-Woche für Pflege

Der Bundesrat will fixe Zeitvorgaben im Pflegebereich gesetzlich verankern. Die Spitäler protestieren.

, 8. Mai 2024 um 13:45
image
Die Pflegeinitiative - hier ein Unterstützungsanlass in Bern - zeigt nun Wirkung: Der Bundesrat bereitet ein Gesetz über die Arbeitsbedingungen in der Pflege vor. | zvg
Heute müssen Pflegefachleute bis zu 50 Wochenstunden arbeiten. Das will der Bundesrat nicht mehr zulassen. Ein neues Gesetz über die Arbeitsbedingungen in der Pflege sieht vor, dass nur noch 45 Stunden Höchstarbeitszeit erlaubt wären. Die Normalarbeitszeit muss zwischen 38 und 42 Stunden liegen.
Damit will der Bundesrat die Gesundheit der Pflegefachleute schützen. Das entsprechende Gesetz sandte er nun in die Vernehmlassung.

Dienstpläne vier Wochen im Voraus

Laut dem Entwurf müssen die Spitäler künftig die Dienstpläne mindestens vier Wochen im Voraus festlegen. Kurzfristige Anpassungen wären zwar weiterhin möglich, müssten aber mit einem zeitlichen oder finanziellen Ausgleich abgegolten werden. Je kurzfristiger der Arbeitseinsatz ist, desto höher soll der Ausgleich sein.
Der Bundesrat ist sich bewusst, dass er mit dem neuen Gesetz nur einzelne Punkte angehen kann. Deshalb müssen die Arbeitsbedingungen künftig auch mit Gesamtarbeitsverträgen festgelegt werden.

Abweichungen erlaubt oder nicht?

Dazu hat die Landesregierung zwei Varianten: Die von ihm bevorzugte Variante würde es erlauben, von den Vorgaben des neuen Bundesgesetzes abzuweichen. Die zweite Variante sieht vor, dass die neuen Vorgaben nicht unterschritten werden dürfen.
In knapp zwei Monaten, am 1. Juli, treten die ersten Massnahmen zur Erfüllung der Pflegeinitiative in Kraft. Dann startet die Ausbildungsoffensive, die der Bund zusammen mit den Kantonen während acht Jahren mit knapp einer Milliarde Franken finanziert.
Ausserdem können Pflegefachpersonen ab Juli bestimmte Leistungen ohne ärztliche Anordnung zulasten der Sozialversicherungen abrechnen. Es handelt sich um Abklärungen, Beratungen und Koordination sowie die Grundpflege.

H+ kritisiert

Der Spitalverband Hplus meldete umgehend Widerspruch an: Die Vorschläge des Bundesrats seien «unausgegoren». Die Ausbildungsoffensive sei zwar richtig, aber bringe in «der vorliegenden Form eine grosse finanzielle Mehrbelastung der Spitäler». Und die gesetzliche Regelung der Arbeitsbedingungen in einer bestimmten Branche widerspreche dem Prinzip der Sozialpartnerschaft.
Vor allem sei es prekär, «dass für keine dieser kostenintensiven Massnahmen eine zusätzliche Finanzierung seitens Gesetzgeber vorgesehen ist, und die Arbeitszeitreduktion den Fachkräftemangel noch verschärft.»
Diesen Punkt sichtet auch der SBK: Der Verband des Pflegepersonals begrüsst das neue Gesetz grundsätzlich. Aber: Dass der Bundesrat darauf verzichtet, die bedarfsgerechte Personalausstattung und die angemessene Finanzierung der Pflegeleistungen sicherzustellen, sei nicht akzeptabel. «Eine Pflege von hoher Qualität braucht genügend Personal auf allen Schichten, unabhängig vom Versorgungsbereich», sagt die Geschäftsführerin des SBK, Yvonne Ribi.
  • pflege
  • pflegeinitiative
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Krankenkassen müssen pflegende Angehörige weiterhin bezahlen

Obwohl Krankenkassen und Gemeinden mehr Kosten befürchten, findet der Bundesrat: Pflegende Angehörige sollen eine bezahlte Anstellung erhalten.

image

Pflegeinitiative: Kommission drückt aufs Tempo

Mit nur einer Stimme Mehrheit spricht sich die nationalrätliche Gesundheitskommission für eine attraktivere Passerelle von HF zu FH aus.

image

Clever statt teuer: Neue Wege für die Pflege

Die zweite Etappe der Pflegeinitiative lässt sich stemmen – auch ohne höhere Prämien oder mehr Steuergeld. Wenn man bereit ist, über den Tellerrand zu schauen. Denn der Staatshaushalt hätte Spielraum.

image

Wallis verleiht zum ersten Mal einen Pflegepreis

Die Pflegefachfrau Sonam Dreyer-Cornut ist die erste Preisträgerin, die vom Kanton ausgezeichnet worden ist. Sie arbeitet auch für «Ärzte ohne Grenzen».

image

Paraplegiker-Zentrum holt Pflege-Chefin vom USZ

Pascale Thüring wird Leiterin Pflege in Nottwil und damit auch Mitglied der Geschäftsleitung.

image

«Rückschritt für die Pflege»: Widerstand gegen Sparpaket in St. Gallen

Die Kantonsregierung will Ausbildungsbeiträge für Pflegestudierende reduzieren – nur zehn Monate nach der Zustimmung der Bevölkerung zum Ausbildungsgesetz.

Vom gleichen Autor

image

Zu viele Kündigungen in der LUPS - nun geht die ärztliche Leiterin

Eine neue Führung und eine Meldestelle für die Angestellten: So will die Luzerner Psychiatrie die angespannte Lage entschärfen.

image

Neuenburger Psychiaterin muss 173'000 Franken zurückzahlen

Das Bundesgericht bestätigt die unwirtschaftliche Praxisführung. Die Kosten waren mehr als doppelt so hoch wie bei Kollegen.

image

Keine Änderung bei der Mehrwertsteuer im Gesundheitswesen

Der Bundesrat will die Ausnahmen bei der Mehrwertsteuer im Gesundheitswesen nicht aufheben. Es hätte zu viele Nachteile.