BFS-Statistik: Private Spitex-Anbieter boomen

Die Pflegeleistungen der 'Privaten' kosten 37 Prozent weniger als bei öffentlichen Anbietern. Allerdings verrechnen sie 2,5-mal mehr Pflegestunden.

, 21. Mai 2024 um 08:17
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Eine Mitarbeiterin der Spitex Chur erklärt einem Kunden die pflegerische Massnahme am Tablet. Bild: Spitex Verband Graubünden
Noch nie lebten in der Schweiz so viele alte Menschen: Fast 500'000 Personen sind 80 Jahre oder älter. Die meisten von ihnen wünschen sich, möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben zu können. Spitexangebote boomen.
Das zeigen aktuelle Zahlen des Bundesamtes für Statistik. So liessen sich im Jahr 2022 5 Prozent der Bevölkerung daheim pflegen. Zehn Jahre früher waren es nur 3 Prozent gewesen. Die absolute Zahl der Spitex-Klienten verdoppelte sich in diesem Zeitraum fast – auf 405 000 Personen.
Zugleich wurden die Leistungen vielfältiger und spezialisierter: So betreut die Spitex immer mehr Demenzkranke oder Menschen, die zu Hause sterben möchten. Auch hat der Anteil an Patienten mit sucht- und psychischen Erkrankungen zugenommen. 30 Prozent der Spitex-Klienten sind inzwischen unter 65 Jahre; die Spitex Zürich hat ein spezielles Team für unter 25-Jährige.

Private Anbieter boomen

Dabei verzeichneten die öffentlich-rechtlichen Spitex-Organisationen ein langsames und stetiges Wachstum, während die privaten, erwerbswirtschaftlichen Unternehmen stark zulegten. Gemäss den neuen BfS-Zahlen verdoppelte sich der Marktanteil der «Privaten» nahezu, er stieg von 16 auf 29 Prozent.
Dabei zeigt sich: Die Tarife der Anbieter variieren beträchtlich. So kostete die Pflege zu Hause 2022 pro Stunde im Schnitt 114 Franken, wenn sie von einer öffentlich-rechtlichen Organisation erbracht wurde. Bei privaten Unternehmen belief sich der Betrag auf 83 Franken.
Allerdings: Pro Klient und Jahr rechnet die öffentliche Spitex durchschnittlich 47 Pflegestunden ab, die privaten Firmen hingegen 104 Stunden, also 2,5-mal mehr. Selbständige Pflegefachpersonen verrechnen im Schnitt 93 Franken.
  • Im Rahmen der Kostenneutralität finanzieren die Krankenversicherer die Pflege zu Hause nach festen, seit einem Jahrzehnt unveränderten Tarifen von durchschnittlich 59 Franken pro Pflegestunde. Der Restbetrag – oder die Restfinanzierung – wird von der öffentlichen Hand sowie von den Klienten bezahlt.
  • Für die privaten Unternehmen und die selbstständigen Pflegefachpersonen stellt die Restfinanzierung seit 2011 eine zusätzliche Einkommensquelle dar. Diese belief sich 2022 auf 442 Millionen Franken (+370 Prozent gegenüber 2013). 2013 machte die Restfinanzierung 23 Prozent der gesamten Pflegeeinnahmen aus, 2022 waren es 31 Prozent.
Die jährlichen Einnahmen pro Klient beliefen sich im Berichtsjahr bei den Privatunternehmen im Schnitt auf 9626 Franken, ein Plus von 30 Prozent gegenüber 2013. Die gemeinnützigen Organisationen erwirtschafteten 5670 Franken (3 Prozent weniger als 2013) und die Selbstständigen 2411 Franken (+ 9 Prozent)

 

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