«Patient im Netz» – aber die Medizin-Profis bleiben draussen

Der Einfluss der Elektronik auf die Therapie, aufs Gesundheits-Management und auf das allgemeine Gesundheits-Wissen wächst massiv. Nur: Er tut dies ohne die medizinischen Profis.

, 6. Mai 2016, 20:00
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Die Hälfte der Menschen informiert sich im Internet über Gesundheitsfragen. Und sehr viele nutzen die digitale Welt auch sonst für ihr Gesundheits-Management: Sie verwenden Medikamenten-Verträglichkeits-Checks (43 Prozent), sie kaufen dort Medikamente (38 Prozent), sie fragen und diskutieren in Gesundheits-Foren (22 Prozent).
Dies besagt nun erneut der «EPatient-Survey», die grösste Online-Umfrage zum Thema Gesundheit im deutschen Sprachraum; dabei werden rund 10'000 Patienten und Nutzer befragt, auch in der Schweiz.

5. EPatient Survey 2016: Die jährliche Online-Befragung unter 50 Mio. Gesundheits-Surfern und Patienten im Internet — Mai 2016

Viele Ergebnisse überraschen nicht weiter: Dass das Netz zum alltäglichen Health-Partner geworden ist, wird mittlerweile allgemein anerkannt. 
Bemerkenswert allerdings, dass nennenswerte Minderheiten von knapp 10 Prozent bereits Spezial-Anwendungen wie Coaching-Apps, Medtech-Apps oder Apps zur Unterstützung der Medikamenten-Einnahme haben und einsetzen.

Die einen diskutieren, die anderen sammeln Erfahrungen

Der heikle Punkt, der sich hier auftut: Die ganze Entwicklung geschieht weitgehend ohne Beteiligung der Profis, der Wissenschaft und der Politik. «Während Wissenschaft und Politik abstrakt über Evaluation und Gütesiegel debattieren, sammeln die Patienten praktische Online-Kompetenz in Sachen Gesundheit»: So formuliert es Studienautor Alexander Schachinger.
In Zahlen heisst das auch: Zwei Drittel der Nutzer stiessen von alleine auf ihre verwendeten Apps oder Online-Dienste, 20 Prozent über Medien, 14 Prozent über Freunde – aber fast niemand über Ärzte oder andere Health Professionals.

Übrigens: Der Gesundheitssurfer ist kein Jungspund

Dabei würden sich knapp über die Hälfte der Nutzer (51 Prozent) Empfehlungen vom Arzt wünschen, 34 Prozent von der Krankenkasse – und nur 27 Prozent äusserten in der Online-Befragung den Wunsch, auch weiterhin alleine im Netz zu suchen.
Übrigens: Das Thema betrifft keineswegs nur die Digital Natives unter den Patienten. Der Gesundheits-Sufer ist nicht etwa jung, sondern liegt mit 59 Jahren über dem demographischen Durchschnitt.
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