Pankreas-Krebs lässt sich per Handy früherkennen

Und mit einem Stift kann man Krebsgewebe vielleicht bald innert Sekunden feststellen: Über zwei neue technologische Hoffnungen in der Onkologie.

, 13. September 2017, 08:30
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Wie misst man wirklich wichtige Gesundheitswerte? Durch die Gelbverfärbung des Auges. Auf dieser Grundidee basiert das Projekt «BiliScreen» der Universität von Washington. Die Nutzer müssen dabei nur ein Selfie einlesen, und das Programm nimmt denn die Sclera ins Visier.
Die Haupthoffnung: Mit der Technologie soll insbesondere Bauchspeicheldrüsen-Krebs bald schon früher erkannt werden.
Zu den Eigenschaften dieser Tumore gehört es bekanntlich, dass sie sehr gefährlich ist – unter anderem, weil sie zumeist allzu spät entdeckt werden.
Hier setzt nun die Idee der Forscher in Seattle ein: Durch die Gelbverfärbung der Augen lassen sich Hinweise auf möglichen Pankreaskrebs finden. Konkreter: Der (auch für Gelbsucht typische) Bilirubin-Anteil im Blut ist von Auge erst ab etwa 3,0 Milligram pro Deziliter erkennbar; Onkologen wissen aber, dass es kritisch werden kann, wenn die Grenze von 1,3 Milligram überschritten wird. 


Das Gerät aus Washington ist nun in der Lage, schon so früh Alarm zu schlagen: Es kann die Gelbverfärbungen feiner lesen. Natürlich gibt es allerlei andere mögliche Erklärungen für erhöte Bilirubin-Werte, dennoch: Der BiliScreen könnte sich als direktes Frühwarnsystem für Pankreaskrebs erweisen.
In einer ersten kleinen klinischen Studie mit 70 Personen schaffte es die Technologie in 89,7 Prozent der Fälle, kritische Situation korrekt zu finden – und zwar einfach durch Messung der Gelbverfärbung des Auges. Auch bei Hepatitis oder gewissen Leberkrankheiten könnte die App als Frühwarnsystem dienen.
Dies zumal der Augen-Farbtest noch einen weiteren Vorteil hat: Er hat keinen Rassen-Bias und misst bei allen Hauptfarben-Typen gleich präzise.


So funktioniert es: Erklärfilm der Paul A. Allen School / Uni Washington:


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Krebsgewebe erkennen: Alternative zur Schnellschnitt-Untersuchung?

Ein Team der University of Texas in Austin hat ein neues Gerät entwickelt, welches Krebsgewebe innert weniger Sekunden identifizieren kann. Der MasSpec Pen stellt quasi einen Stift dar, der vor allem während der Operationen zum Einsatz kommen soll.
Statt dass der Chirurg die Grenzen des befallenen Gewebes via Schnellschnittuntersuchung eruiert – mit Hilfe eines Pathologen und innert 15 Minuten oder mehr –, kann er die Probe vor Ort direkt mit dem Stift (und dem angeschlossenen AI-Programm) überprüfen. So jedenfalls die Hoffnung der Wissenschaftler aus Texas.


Die Technologie baut darauf, dass das Gerät in der Lage ist, Metaboliten zu erkennen und zu definieren. In Gewebetests mit Proben von 253 Patienten bot der MasSpec Pen innert zehn Sekunden jeweils eine Diagnose – die sich dann in über 96 Prozent der Fälle als akkurat erwies. Der Pen könnte in der Zukunft auch in Grenzbereichen eingesetzt mit gemischten Zellzusammensetzungen eingesetzt werden.
Die University of Texas hofft, das Gerät erstmals 2018 in klinischen Tests bei Tumoroperationen prüfen zu können.


So funktioniert der MasSpec Pen: Erklärfilm der University of Texas


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