Online-Leseclub verbindet Ärztinnen und Ärzte auf der ganzen Welt

Ärzte haben viel zu lesen: Studien, Papers, Akten. Aber wie wärs mit einem richtigen Buch, das man dann mit Gleichgesinnten diskutiert? Dafür gibt es einen virtuellen Lesekreis speziell für Mediziner.

, 24. Mai 2017, 15:48
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Wenn die Ärzte schon nicht in einen Lesezirkel zu bewegen sind, warum nicht den Lesezirkel zu den Ärzten bringen? Dies ist der Grundgedanke hinter dem doctorsbookclub.com, einem digitalen Literaturclub speziell für Mediziner. Die Mitglieder absolvieren ein lockeres Leseprogramm und tauschen sich im Zwei-Monats-Rhythmus online via Twitter über die Lektüre aus. 
Twitter ermöglicht den Austausch über alle Zeitzonen hinweg, unabhängig von Ort und Zeit. Wer in die Diskussion einsteigen will, kann das jederzeit tun. Der im Juni 2016 gegründete Club zählt denn auch bereits über 1'100 Follower auf der ganzen Welt, von den USA, Kanada, Australien, Grossbritannien über Indien und Ecuador bis zu Peru. 
Seit das Journal «Medical News Today» auf die noch junge Community aufmerksam gemacht hat, geht es mit den Mitgliederzahlen steil aufwärts.  
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Screeshot doctorsbookclub.com

Ein Buch alle zwei Monate

Damit die Mitglieder keinen Lesestress haben, wird nur alle zwei Monate über ein Buch debattiert. Ursprünglich galt ein Monatsrhythmus, aber der erwies sich als zu straff. Der Leseplan für 2017 wird online aufgeführt. 
Die nächste Buchbesprechung findet zwischen dem 26. und dem 28. Mai 2017 statt. Dann geht es um das Buch: «The Patient Will See You Now: the Future of Medicine is in Your Hands» des amerikanischen Kardiologen Eric Topol. 

Topol ergründet die Zukunft der digitalen Medizin, speziell Smartphones. Womöglich nimmt er selber an der Diskussion teil. 
Vom 28. bis am 30. Juli 2017 folgt der nächste Fixpunkt: Dann geht es um das Buch «The Gene: An Intimate History» von Siddhartha Mukherjee.
Wie in herkömmlichen Literaturclubs auch, werden die Online-Diskussionen jeweils fachkundig moderiert. Die Teilnehmer können auch Lesevorschläge unterbreiten. 

«Gemeinschaftsgefühl wecken»

Gründer des Clubs sind Steven Christiansen, Augenarzt der University of Iowa, sowie Daha Sharma, Chirurgin in Sydney. Der Club sei ein voller Erfolg, sagen sie gegenüber «Medical News Today», alle Erwartungen seien übertroffen worden.
«Wir brauchen Hobbys, wir brauchen Freunde, aber wir haben keine Zeit dafür. Ich hoffe, dass der Bücherclub Ärzte zum Lesen motiviert und den Austausch von Ärzten, Patienten und der Öffentlichkeit in allen Ländern fördert, um ein Gemeinschaftsgefühl zu wecken», wird Christiansen zitiert. 
Die meisten Bücher auf der Leseliste handeln im weitesten Sinn von medizinischen Themen. Die erste Diskussion überhaupt fand vor einem Jahr statt und drehte sich um den Bestseller «When Breath Becomes  Air» des Arztes Paul Kalanithi, das es ebenfalls auf Deutsch gibt. Auch das Alzheimer-Drama «Still Alice» von Lisa Genova wurde schon diskutiert, das erfolgreich verfilmt worden ist.  

Plötzlich haben sie Zeit

Bilder, die die Mitglieder auf Twitter von sich posten, zeigen lesende Menschen, die sich bewusst Zeit nehmen für die Lektüre - sei es zu Hause, am Strand, an einem Sonntagnachmittag auf einer Wiese oder während die Kids trainieren. Wer gerade nicht zum Lesen kommt, hört den Stoff während einer Autofahrt als Audiobook. 
Derzeit nehmen Ärzte verschiedenster Fachrichtungen am Club teil. Die Gründer können sich aber vorstellen, den Club dem Publikum zu öffnen – damit dieses sieht, wie Ärzte miteinander kommunizieren und welche Themen sie umtreiben. 
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