Nachfrage nach «Spital Allgemein ganze Schweiz» knickt ein

Satte 8,3 Prozent Einbruch verzeichnet Comparis im Bereich der Zusatzleistung «Spital Allgemein ganze Schweiz». Eine Deckungslücke gibt es beim Thema Rettung.

, 30. Juni 2022 um 08:47
image
Comparis hat über 288'000 Offerten für Zusatzversicherungen über die vergangenen vier Jahre untersucht. Verglichen wurden dabei die Jahresperioden 1. Juni bis 31. Mai. In den letzten zwölf Monaten am meisten nachgefragt wurde «Spital Allgemein ganze Schweiz». Der Anteil aller Offertanfragen im Zusatzversicherungsbereich betrug 18,4 Prozent. 
Die Krux: Auch wenn sich die Zusatzleistung sich nach wie vor als Spitzenreiter entpuppt, verzeichnet Comparis «satte 8,3 Prozent weniger Offertbestellungen als im Jahr 2021», schreibt der Online-Vergleichsdienst in seiner Mitteilung (siehe Grafiken am Ende des Textes). 
«Das abnehmende Interesse an Spitalzusatzversicherungsangeboten Allgemein ganze Schweiz zeigt, dass immer weniger Versicherte hier einen Zusatznutzen erkennen», wird der Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly zitiert. 
image
Quelle: Comparis

Die Plätze 2 und 3

An zweiter Stelle folgt «Alternativmedizin» mit einem Anteil von 10,8 Prozent an den Zusatzversicherungsofferten, an dritter «Notfälle im Ausland» mit 9,6 Prozent.
«Dass sich die Comparis-Nutzerinnen und -Nutzer mehr für die Versicherungsdeckung für Notfälle im Ausland als im Inland interessieren, kann ich mir nur damit erklären, dass viele Versicherte nicht wissen, dass die Grundversicherungsdeckung für Rettungs- und Krankentransporte in der Schweiz und im Ausland begrenzt ist», vermutet der Experte.

Spitalzusatzversicherungen beliebter

Die stationären Spitalzusatzversicherungen machen bei der Nachfrage nach Zusatzversicherungen nur einen kleinen Teil aus. Der Grund: Sie sind an strenge Aufnahmerichtlinien gekoppelt und zudem teuer. Trotzdem beobachtet Comparis einen ansteigenden Trend:
Zwischen 2018 und 2022 haben die stationären Versicherungen (Privat, Halbprivat, Flex) um 3,2 Prozent zugelegt. Gemeinsam machen die drei stationären Versicherungen aktuell 11,5 Prozent der Offertbestellungen auf comparis.ch aus.
Dabei am meisten zugelegt habe die «Spital Flex» (+26,9 Prozent) mit einem Nachfragevolumen von 3,8 Prozent. Am stärksten war der Zuwachs im Tessin (+51,2 Prozent). Schneuwly erachtet diese steigende Nachfrage als erstaunlich: «Das sind die teuersten Zusatzversicherungen. Zudem tragen sie dem Trend zu immer mehr ambulanten Operationen nicht Rechnung. Offensichtlich sind subjektive Sicherheitsbedürfnisse und die freie Arztwahl im Spital wichtige Motive für diese Nachfrage.»

Deckungslücke Rettung

Nach wie vor klafft eine Deckungslücke beim Thema Rettung und Krankentransport. Hier zahlt die Grundversicherung nur die Hälfte der Rettungskosten in der Schweiz bis zum Maximalbetrag von 5'000 Franken pro Kalenderjahr.
Wichtig: Auch wer durch den Arbeitgeber unfallversichert ist, aber etwa beim Wandern einen Herzinfarkt erleidet, bleibt auf den Kosten sitzen. «Denn das ist kein Unfall. Und ein Helikoptertransport allein kostet im Durchschnitt rund 3'500 Franken», gibt Comparis zu denken.
Konkret: Die Grundversicherung bezahlt davon nur 1'750 Franken. Für Krankentransporte gilt ebenfalls die Deckung der Hälfte der effektiven Kosten bis zu einem Maximalbetrag von 500 Franken. Das heisst: Wer nur die Grundversicherung hat, muss im Notfall tief in die Tasche greifen.
Trotzdem gingen nur 6,7 Prozent der Offertanfragen in den letzten zwölf Monaten auf das Konto von «Such-, Rettungsaktionen und Transporten». In der Vorjahresperiode waren es sieben Prozent des Suchvolumens gewesen.
Dabei zeigen sich auch regionale Unterschiede: In der Deutschschweiz betrug der Anteil Offertanfragen für Rettung und Krankentransporte 6,9 Prozent aller Bestellungen. In der Romandie lag er bei 6,2 und im Tessin bei 6,7 Prozent.

Kostenfalle «Zahnspange» 

Nach wie vor in eine Kostenfalle tappen Eltern wenn es um die Zahnspange ihrer Sprösslinge geht. Schneuwly befürchtet, dass besonders Eltern mit Migrationshintergrund häufig nicht wissen, «dass zahnmedizinische Untersuchungen und Behandlungen in der Schweiz nicht durch die Grundversicherung gedeckt sind». 

Der Spitzenreiter «Spital Allgemein ganze Schweiz» bricht ein:

image
Quelle: Comparis
image
Quelle Comparis
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Helsana-Präsident Thomas D. Szucs tritt in einem Jahr zurück

Dann wird er insgesamt 15 Jahre an der Spitze der grössten Schweizer Krankenversicherung gewesen sein.

image

«Kein Mensch will Rationierungen»

Für Santésuisse-Präsident Martin Landolt würde die Kostenbremse-Initiative nicht zu Qualitätsverlust führen. Solange die Bundespolitik ihre Hausaufgaben macht.

image

«Die Spitäler sind selber schuld»

Santésuisse-Präsident Martin Landolt über defizitäre Spitäler, den Tardoc-Streit, ambulante Pauschalen und unnatürliche Kooperationen.

image

KPT will nur noch einen Krankenkassenverband

Nach ihrem Austritt aus Curafutura will die KPT nicht zur Konkurrenz Santésuisse. Sondern einen einzigen Verband.

image

Hirslanden einigt sich mit der CSS – diese zahlt wieder

Die Hirslanden-Gruppe und die Krankenkasse CSS haben sich auf neue Tarife für Halbprivat- und Privatversicherte geeinigt.

image

Krankenkassendirektor schlägt vor: Nur noch acht Kassen

Gäbe es viel weniger Kassen, wäre das billiger – und «das Rezept gegen eine Einheitskasse», sagt der Chef der KPT.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.