Warnung: Youtube kann die Gesundheit gefährden

Neue Daten zeigen, dass Jugendliche über Musikclips intensiv mit Alkohol- und Tabak-Bildern abgefüllt werden. Vor allem 13- bis 15-Jährige. Und dabei vor allem die Mädchen.

, 15. Januar 2016, 15:25
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Tabakwerbeverbot ja oder nein? Jawohl! In dieser Frage ist die Ärzteschaft recht eindeutig. Die FMH befürwortet im Rahmen der laufenden Gesetzesrevision eine strenge Linie – und zahlreiche Mediziner verlangen da sogar ein stärkeres Engagement der Standesvertretung.
Klar ist dabei insbesondere, dass Jugendliche nicht von den Zigarettenherstellern umworben werden dürfen. 
Nur: Eine neue Untersuchung von Präventivmedizinern der University of Nottingham malt ein neues, bedenkenswertes Bild – und das führt fast zur Gegenfrage: Was soll’s überhaupt? 
Denn die Erkenntnis aus Grossbritannien lautet: Jugendliche werden heftig mit Tabak- und Alkohol-Bildern überschwemmt, ohne dass sich die Älteren dessen recht bewusst sind. Und zwar gilt dies vor allem für die 13- bis 15-Jährigen.

Jo Cranwell, Magdalena Opazo-Breton, John Britton: «Adult and adolescent exposure to tobacco and alcohol content in contemporary YouTube music videos in Great Britain: a population estimate», in: «Journal of Epidemiology & Community Health», Januar 2016

Es geht um Youtube. Also um etwas, was sich den Ländergesetzen weitgehend entzieht.
Jo Cranwell, Magdalena Opazo-Breton und John Britton von Nottinghams Universitäts-Institut für Epidemilogie und Öffentliche Gesundheit befragten über 4'000 junge Leute nach ihrer Youtube-Nutzung – wobei die Hälfte zwischen 11 und 18 Jahre alt waren, die andere Hälfte darüber. Die Frage: Welches waren Eure beliebtesten Videos auf Youtube?

In der Schweiz eine halbe Milliarde Alk-Sequenzen

Danach durchforsteten sie die 40 populärsten Filme nach Alkohol- und Tabak-Inhalten – und am Ende rechneten sie die Zahl vom Sample auf die Gesamtbevölkerung hoch.
Fazit: In einem Untersuchungs-Zeitraum von nur 12 Wochen wurden die Konsumenten im ganzen Land gut 1 Milliarde mal mit Alkohol-Konsumbildern und 200 Millionen mal mit Tabak-Sequenzen konfrontiert – alleine über die populärsten Youtube-Clips. Und dabei rechnete das Forschertrio sogar hinein (respektive herunter), dass die Jugendlichen im Schnitt nur 22 Prozent eines Videos anschauten (und die Erwachsenen nur 6 Prozent).
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Rapper-Waffe Zigarre: «Trumpets» von Jason Derulo
Bei einem ähnlichen Konsum in der Schweiz – und der ist zu vermuten – heisst das: Das hiesige Publikum wird über Youtube pro Jahr etwa 480 Millionen mal mit poppigen Alkohol-Inszenierungen und 70 bis 75 Millionen mal mit Tabak-Konsum-Clips abgefüllt.
Am häufigsten wurden die untersuchten Pop-Videos von 25- bis 34 Jahre alten Menschen konsumiert, aber die persönliche Exposure war bei den Teenagern fast viermal grösser. Anders gesagt: Die Teenager schauen am eifrigsten Clips mit Party-Inhalten. 
Und so erhielten die von den Notthinghamer Forschern befragten Kids im Alter zwischen 13 und 15 durchschnittlich 11,5 Tabak-Impressionen – bei den Erwachsenen waren es knapp drei. Und dabei war der Anteil jener Impressions bei den Mädchen noch um 65 Prozent höher als bei den männlichen Videokonsumenten zwischen 13 und 15 Jahren.
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Der Songtitel als Programm: «Drunk in Love» von Beyoncé
Bei den Alkohol-Bildern war das Verhältnis gleich – einfach fünfmal höher. Das heisst: Ein durchschnittlicher Teenager erhielt 52 Alkohol-Eindrücke (und auch hier lag die «Quote» bei den Mädchen mit 70 Stück entsprechend höher).
Die Frage ist natürlich, wie sehr die auf Youtube gezeigten Videos wegweisend sind für das Konsumverhalten der Jungen. Alle Verbots- und Einschränkungsbemühungen gehen jedenfalls davon aus, dass hier eine Wirkung besteht (weshalb Altersbeschränkungen sowohl bei der Werbung wie bei Spielfilmen hier eine Rolle spielen).

«Eine nennenswerte Gesundheitsgefährung»?

Die Präventiv-Mediziner aus England mahnen nun an, dass zumindest erforscht werden müsste, welche Effekte denn die (offenbar so massive) Exposure mit Zigaretten und Drinks durch Musikvideos auf lange Sicht haben könnte. 
Wobei für die Autoren das Kernergebnis schon recht klar zu sein scheint. Denn der Schlusssatz ihres Forschungsbeitrags lautet: «Der Alkohol- und Tabakkonsum in Musikvideos ist eine nennenswerte Gesundheitsgefährdung, die eine entsprechende öffentliche Kontrolle verlangt.»
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