Michael Hübler: «Eine Altersgrenze ist völlig unnötig»

Am Kinderspital Zürich wurde erstmals in der Schweiz einem Neugeborenen ein Herz eingesetzt. Die erfolgreiche Operation könnte – und sollte – Folgen haben.

, 3. Februar 2016 um 09:40
image
  • chirurgie
  • organspende
  • spital
  • kinderspital zürich
Nach der Trennung von zwei siamesischen Winzlingen im Inselspital war dies die zweite bewegende Erfolgsmeldung, die innert Tagen aus einer Schweizer Klinik kam: Am Kinderspital Zürich gelang einem Team um den Herzchirurgen Michael Hübler die Herz-Transplantation bei einer Neugeborenen
Der Eingriff erfolgte wegen eines angeborenen Herztumors, der das Herz der kleinen Sophia durchwachsen hatte. Als erstes entfernte Hübler nur wenige Tage nach der Geburt den Tumor und implantierte dem Baby ein Kunstherz; dann, am 22. Dezember 2015, kam das Spenderherz. Die Operation dauerte dreieinhalb Stunden. 

«Selten zu bekommen»

Im «Blick» nahm der Chefarzt nun Stellung zum gewagten Eingriff: Immerhin wurde hier zum ersten Mal in der Schweiz einem unter 30 Tage alten Kind ein neues Herz eingepflanzt.
Hübler schätzte das Risiko, dass das Mädchen sterben könnte, auf über 10 Prozent ein – doch er erinnerte im «Blick»-Interview zugleich daran, dass die erste Herztransplantation bei einem Neugeborenen schon 1985 in den USA geschehen sei. Und er selbst hatte bereits vor zwölf Jahren in Berlin ein so kleines Herz erfolgreich transplantiert.
«So kleine Spenderorgane sind sehr selten zu bekommen, weil die Feststellung des Hirntodes bei Kindern meist schwierig ist», erklärte der Kinder-Herzchirurg dazu.

Ein anderes Leben könnte gerettet werden

Doch womöglich wurde mit der Operation am «Kispi» auch eine Tür aufgestossen: Der Erfolg freue ihn, so Hübler, weil er zeigen konnte, «dass Transplantationen auch bei Neugeborenen sehr gut möglich sind. Bisher musste ein Kind für eine Transplantation in der Schweiz mindestens drei Monate alt sein, sonst wurde die Therapie eingestellt und das Kind musste sterben». Eine solche Altersgrenze sei also völlig unnötig.
Was erneut zum Problem zurückführt, dass es an Spenderorganen für Neugeborene fehlt. Michael Hübler nutzt das Interview denn für einen Aufruf an die Kinderärzte: «Sie sollten sich bei hoffnungslos kranken Kindern, die im Sterben liegen, überlegen, ob sie nicht behutsam das Gespräch mit den Eltern suchen sollten. Mit einer Organspende könnte ein anderes Kinderleben gerettet werden.»

Eine Mutter hört das Herz des Sohnes

Auch in den USA bewegt derzeit die Geschichte einer Baby-Spende. Heather Clark verlor vor knapp drei Jahren ihren Sohn Luke und gab den Körper für Organspenden frei; das Baby war 7 Monate alt.
Nun traf sie auf das Mädchen, dessen Leben mit dem Spenderherz von Luke gerettet wurde. Jordan Drake war zum Zeitpunkt der Transplantation in Phoenix 18 Monate alt.
Als die Mutter das Herz ihres verstorbenen Sohnes mit dem Stethoskop hörte, war ein TV-Sender dabei – die Bilder gingen danach durchs ganze Land.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image
Gastbeitrag von Ronald Alder

Kürzere Arbeitszeiten sind auch nicht die Lösung

Die Politik sieht das Gesundheitswesen unterm Kostenröhrenblick, die Gewerkschaften haben den Arbeitszeitenröhrenblick. Und so werden die wahren Probleme übersehen.

image

Hochspezialisierte Medizin: Warnschuss aus dem Thurgau

Die Kantonsregierung prüft den Austritt aus der Interkantonalen HSM-Vereinbarung. Und sie vermeldet den Unmut weiterer Kantone.

image

Klinik Hirslanden: Philippe Diserens neu im Management

Der Gesundheitsökonom übernimmt die Leitung des Performance Management.

image

Behandlungsrekord am Kantonsspital Baden

Mehr stationäre Patienten, eine Zunahme der ambulanten Konsultationen, weniger Notfälle – und mehr Benefits für die Angestellten.

image

KSGL: «Wir wollen üsärs Spital retten!»

Die Personalkommission des KSGL stellt sich hinter ihr Spital und kritisiert das Vorgehen des SBK.

image

Gewalt im Spital: Es betrifft nicht nur den Notfall

Und die Lage ist am Wochenende keineswegs besonders kritisch. Eine grosse Datenauswertung in den USA setzt neue Akzente.

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.