Mehrheit der Stimmbürger wäre gegen Zulassungsstopp für Ärzte

Die Schweizer Bevölkerung hat eine recht liberale Haltung in der Gesundheitspolitik. Dies besagen jedenfalls die Daten des neusten «Gesundheitsmonitor».

, 23. Juni 2016, 09:34
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Doch, Ärzte verteuern die Krankenkassenprämien: Diese Meinung teilen 60 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in der Schweiz – während 36 Prozent der Ansicht widersprechen. Die Daten erhob das gfs-Institut im Rahmen des jährlichen «Gesundheitsmonitor»; im Auftrag von Interpharma wird dabei jeweils eine repräsentative Auswahl von Stimmbürgern befragt.
Dennoch findet eine knappe Mehrheit von 53 zu 42 Prozent, dass es keinen Zulassungsstopp brauche, weil der Markt die Arztversorgung von selber regle
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Grafik: gfs | Interpharma | «Gesundheitsmonitor»
Die liberale Grundhaltung zeigt sich weiter darin, dass ebenfalls 53 Prozent finden, man könnte den Vertragszwang der Kassen mit den Ärzten aufheben. Anders gesagt: Eine Einschränkung von Arztpraxen ohne Staat wäre fast eher mehrheitsfähig als der (jetzt gerade verlängerte) Zulassungsstopp.
Interessanterweise setzt sich diese Ansicht durch, obwohl sich eine Zweidrittels-Mehrheit (69 Prozent) bewusst ist, dass eine Aufhebung des Vertragszwangs die persönliche Entscheidungsfreiheit einschränken würde. 
Klar angenommen wir schliesslich eine in der Politik verbreitete Analyse: 82 Prozent der Befragten sind «voll» oder «eher» damit einverstanden, dass die Schweiz mehr einheimische Ärzte ausbilden sollte, statt sie aus dem Ausland zu holen.

Interpharma: «Gesundheitsmonitor Schweiz 2016 – Neu im Zeichen des Kostendrucks», Juni 2016Zur Medienmitteilung 

Eine Verschiebung in den Haltungen zeigt sich bei der Frage der Qualität: Gut möglich, dass Herr und Frau Schweizer noch etwas qualitätsbewusster geworden sind – oder genauer: Dass sie besser informiert werden wollen über die Qualität der medizinischen Leistungen. Und dass sie dies auch finanziell berücksichtigt haben möchten.
Konkret: Sehr deutliche Mehrheiten möchten die Qualitätsdaten eines Spitals oder einer Klinik kennen, bevor sie sich für eine Behandlung dort entscheiden (82 Prozent); oder aber sie wollen, dass der zuweisende Arzt die Qualität vor der Überweisung überprüft (73 Prozent).

Spitäler: Qualität soll belohnt oder bestraft werden

Vor allem: Zum ersten Mal plädiert jetzt eine Mehrheit für eine finanzielle Belohnung oder Bestrafung eines Spitals auf Basis der Qualitätsdaten (62 Prozent – ein Plus-Sprung von 21 Punkten). Ebenfalls klar mehr Menschen als im Vorjahr sind der Meinung, dass die Krankenkassen nur noch Behandlungen in Spitälern mit hoher Qualität bezahlen sollten (46 Prozent, +14).
Etwas widersprüchlich erscheint da allerdings die Tatsache, dass ebenfalls eine Mehrheit die Transparenz als eher verwirrend erachtet und der Meinung ist, dass alle Spitäler in der Schweiz gut sind (plus 14 auf 59 Prozent).

Die Wertvorstellungen in Gesundheitsfragen


Der «Gesundheitsmonitor 2016» zeigte auch diverse Aspekte, in denen sich die verbreiteten Wertvorstellungen in der Bevölkerung ausloten lassen:

  • Qualität vor Preis: 86 Prozent schätzen die Qualität der Leistungen wichtiger als den Preis ein.
  • Freie Arztwahl: 77 Prozent werten die freie Arztwahl als Prinzip höher als die vorgegebene.
  • Quantität vor Preis: 72 Prozent bewerten die Quantität der Leistungen als wichtiger als den Preis.
  • Markt vor Staat: 66 Prozent bevorzugen marktwirtschaftliche gegenüber staatswirtschaftlichen Regulierungen.
  • Kantone vor Bund: 65 Prozent finden, im Gesundheitswesen sollten die Kantone mehr als der Bund entscheiden können.
  • Mehr Gemeinschaft: 58 Prozent denken, gemeinschaftliche Verantwortungen seien im Gesundheits wesen wichtiger als eigenverantwortliche.
  • Risikodeckung vor allem: 51 Prozent ziehen ein Versicherungssystem vor, das auf Risikodeckung ausgerichtet ist statt auf sämtliche Leistungen.
  • Weniger Ärzte-Autonomie: Nur noch 41 Prozent finden, Ärzte und Ärztinnen sollten alleine darüber entscheiden können, ob Krankenkassen eine Behandlung aufgrund eines ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses begleichen sollten. Wichtiger ist erstmals, dass eine Kommission, bestehend aus Ärztinnen/Ärzten und Patientinnen/Patienten und allen direkt Beteiligten, dies macht (42 Prozent). 

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