Medizin aus dem 3D-Drucker

Was, wenn der Arzt dereinst die Medikamente gleich selber per Mausklick herstellt? Ein amerikanischer Mediziner und Chemiker öffnet mit seiner Molekülmaschine neue Möglichkeiten.

, 24. November 2015, 16:38
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Das Gerät ist gut zwei Meter breit und knapp 80 Zentimeter hoch, besteht aus einem Gewirr von Schläuchen und Pumpen, an denen Glasröhrchen und Messbecher hängen. Es wird von einem Laptop gesteuert und synthetisiert per Mausklick so genannte kleine Moleküle, auf denen viele Medikamente wie etwa Aspirin basieren. Die Synthese von kleinen Molekülen ist normalerweise besonders aufwändig und und wird durch das automatisierte Verfahren wesentlich vereinfacht. 
14 Klassen der kleinen Moleküle kann der Apparat herstellen. Der Apparat ist eine Erfindung von Martin Burke, Chemieprofessor an der University of Illinois in Urbana-Champaign, und seinem Team. Der Arzt und Chemiker beschreibt das Gerät als «eine Art 3D-Drucker auf molekularer Ebene». Durch die Automatisierung könnte sich die Entwicklung von Medikamenten stark beschleunigen und die Herstellung von medizinischen Substanzen auch Menschen ermöglichen, die keine Chemiker sind. 

Entwicklung von Medikamenten revolutionieren

Die Wirkstoffe, die das Gerät herstellen kann, werden unter anderem in der Krebstherapie oder bei Asthma eingesetzt, wie Technology Review - das Magazin für Innovation in der Dezember-Ausgabe berichtet. Darüber hinaus kann Burkes Molekülmaschine künftig anderen Forschern die Arbeit erleichtern. Wird ihnen die zeitaufwändige Synthese von Stoffen abgenommen, haben sie mehr Zeit für die Entwicklung neuer Medikamente. 
Burke selbst nutzt seine Molekülmaschine ebenfalls praktisch. Gemeinsam mit dem Biotech-Investor Mark Goldsmith hat er das Pharmaunternehmen Revolution Medicines im Silicon Valley gegründet. Dort will er sein Synthesegerät bei der Erschaffung neuer Präparate nutzen: «Wir wollen Marktführer bei der Entwicklung von Derivaten aus Naturstoffen werden».
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