Medizin als Dienstleistung: Wie die Patienten der Generation Y ticken

Paradox: Die jüngeren Patienten sind eher gehetzt bei einem Therapietermin – erwarten aber zugleich besonders stark, dass sich der Arzt Zeit fürs Gespräch.

, 21. März 2016, 06:54
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Die so genannten «Millennials» werden zunehmend zur prägenden und trendsetzenden Generation: Anhand dieser Menschen, geboren etwa 1980 bis 1999, lässt sich ahnen, was die Zukunft bringen könnte. Zumal diese Generation – zumindest global – jetzt auch zahlenmässig die so genannten «Babyboomer» abzulösen beginnt.
Und so ist es ein längst diskutiertes Thema, dass diese Generation als Ärzte oder in der Pflege andere Anforderungen und Wünsche erhebt als bislang gewohnt. Einen neuen Fokus bietet jetzt eine Erhebung der Medizin-Softwarefirma Nuance. Sie suchte nach Unterschieden im Patientenverhalten: 
Wie unterscheiden sich die «Millennials» von älteren Menschen, wenn sie krank sind?
Dafür wurde insgesamt 3'000 Personen befragt. Die wichtigsten Erkenntnisse:
Die Generation Y hört auf Empfehlungen: Rund 70 Prozent der jungen Patienten im Alter zwischen 18 und 24 Jahren legen bei der Wahl des Arztes grossen Wert auf die Empfehlungen von Freunden und aus der Familie. Aber für nur 41 Prozent der Patienten über 65 spielen solche Empfehlungen eine Rolle.
Die Generation Y kritisiert nicht direkt: Die jüngeren Patienten teilen es Freunden und auch online mit, wenn sie nicht zufrieden sind mit dem Arzt – aber sie sprechen ihn weniger direkt darauf an. Auf der anderen Seite konfrontiert die Mehrheit der älteren Patienten (51 Prozent) ihren Arzt direkt, wenn sie mit der Behandlung unzufrieden sind.
Die Generation Y konsultiert Dr. Google: Im Vergleich zu anderen Altersgruppen recherchiert die Generation Y gesundheitsrelevante Themen häufiger online. Über 54 Prozent der jungen Befragten gaben an, dass sie zunächst online nach Informationen suchen – und dass sie sich auch auf solche Bewertungen verlassen, bevor sie einen Arzt aufsuchen. Der weltweite Durchschnitt der Patienten aller Altersklassen liegt hier bei 39 Prozent.
Die Generation Y möchte, dass sich der Arzt Zeit nimmt: Oft wird dabei die Kürze des Termins und die fehlende Zeit des Arztes kritisiert. Wichtig gilt: Zeit für Gespräche (fast Dreiviertel der Befragten nennen dies einen wichtigen Faktor für gute medizinische Versorgung). 
«Das Gesundheitswesen muss eine Möglichkeit finden, wie Ärzte die Zeit für Patientengespräche optimieren und so positive Bewertungen erhalten können», lautet ein Fazit der Autoren von Nuance.
Aber: Die Generation Y fühlt sich oft gehetzt beim Arztbesuch – 40 Prozent geben dies an.
Ein weiteres Fazit: Wie Markenunternehmen sich an den Umgang mit sozialen Netzwerken und die Interaktion mit ihren Kunden über diese neuen Kanäle gewöhnen mussten, muss sich auch das Gesundheitswesen stärker auf den Onlinebereich konzentrieren: «Heute schon informieren sich unzählige Patienten über Symptome und Gesundheitsthemen sowie Bewertungen der Praxen und Krankenhäuser in Onlineforen oder Bewertungsportalen», sagt Markus Vogel, Senior Physician Advocate bei Nuance. «Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis sie auch ihre negativen Erfahrungen über diese Plattformen äussern.»

  • Die Folien: «Generation Y: Medizin als Dienstleistung». 
  • Die Mitteilung: «Der Patient der Generation Y»


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