Generika sind doppelt so teuer wie im Ausland

Der starke Franken treibt die Medikamentenpreise in die Höhe. Bei den Originalpräparaten beträgt die Preisdifferenz gegenüber dem Ausland 10 Prozent, bei Generika sogar 47 Prozent. Dies ergibt der neuste Preisvergleich von Interpharma und Santésuisse.

, 15. Dezember 2015, 09:09
image
Der Pharmaverband Interpharma und der Krankenkassenverband Santésuisse haben den siebten Preisvergleich Medikamente vorgestellt. Verglichen wurde das Preisniveau in der Schweiz mit neun Vergleichsländern. Die wichtigsten Ergebnisse: 

  • Die 200 umsatzstärksten patentgeschützten Originalpräparate sind 10 Prozent teurer als in den Vergleichsländern.   
  • Die 250 umsatzstärksten patentabgelaufenen Originalpräparate sind 11 Prozent teurer als in den Vergleichsländern.  
  • Die 250 umsatzstärksten Generika sind 47 Prozent teurer als in den Vergleichsländern. 

Starker Franken treibt Preise

Der Wechselkurs wurde bei CHF/EUR 1.20 nach 1.29 im Vorjahr angesetzt. Für Thomas Cueni, Generalsekretär von Interpharma, ist darum klar: «Nachdem es im November 2014 erstmals keinen Preisunterschied zum Ausland mehr gab, ist die jetzige Preisdifferenz massgeblich auf den erstarkten Franken und die Erweiterung des Länderkorbs zurückzuführen». Cueni hält das neue Preisfestsetzungssystem für umso wichtiger, weil es auf den Nutzen abstelle und nicht mehr nur auf die Preise im Ausland.  

Generika-Preise verursachen Bauchschmerzen

Santésuisse-Direktorin Verena Nold zeigt sich vor allem über die «massiv überhöhten» Generika-Preise besorgt, die in der Schweiz immer noch rund doppelt so teuer sind wie im Durchschnitt der Vergleichsländer. «Sie bereiten Santésuisse am meisten Bauchschmerzen». 
Verena Nold fordert die Einführung eines griffigen Preissystems für patentabgelaufene Medikamente. «Es kann nicht sein, dass auf Kosten der Prämienzahler derart hohe Preise verlangt werden», so Nold. 
Zum siebten Mal haben der Krankenversicherungsverband Santésuisse und der Branchenverband der forschenden Pharmaindustrie, Interpharma, einen Auslandpreisvergleich von Medikamenten durchgeführt. Dabei wurden die Fabrikabgabepreise in der Schweiz vom September 2015 mit denjenigen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, den Niederlanden, Österreich und Schweden für patentgeschützte und patentabgelaufene Medikamente sowie Generika verglichen. 


Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Bund prüft weitere Senkung der Labortarife

Nach der Senkung der Laborpreise arbeitet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weiter an der Neutarifierung.

image

Santésuisse stellt sich erstmals offiziell hinter Tardoc

Santésuisse, Curafutura und die Ärztevereinigung FMH haben ein neues Tarifbüro gegründet. Jetzt wollen die Verbände gemeinsam den neuen Tarif entwickeln.

image

So wird Astra-Zeneca seine unverkäuflichen Grippe-Impfdosen los

Das Bundesamt für Gesundheit stritt sich mit dem Pharma-Unternehmen über den Preis eines Grippe-Impfsprays. Nun werden die 10'000 Dosen gespendet.

image

E-Rezepte sind in Deutschland bisher ein Flop

Deutsche Ärzte wollen keine elektronischen Rezepte ausstellen. Deshalb rückt das Ziel, solche Rezepte bundesweit einzuführen, in weite Ferne.

image

Schweizer Ärzte gehen sparsamer mit Antibiotika um

Der Einsatz von Antibiotika ist gesunken. Dadurch konnten die Resistenzraten gebremst werden. Das zeigt der «Swiss Antibiotic Resistance Report 2022».

image

Andreasklinik: Gesundheitsdirektion stösst auf Gegenwind

Der Klinik in Cham soll der Auftrag für die Grund- und Notfallversorgung entzogen werden. Die «IG Wahlfreiheit Kanton Zug» wehrt sich mit einer Petition.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.