Hohe Dunkelziffer bei Komplikationen durch Implantate

Brustimplantate oder künstliche Hüft- und Kniegelenke verursachen bei Tausenden Patienten offenbar massive Probleme. Publik werden diese laut internationalen Recherchen nur selten.

, 26. November 2018, 06:00
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In vielen Teilen der Welt werden immer mehr Personen durch Implantate verletzt oder gar getötet. Dies berichtet ein internationales Recherchekonsortium von Journalisten. Diese haben unter dem Titel «Implant Files» Unterlagen zu dem Thema ausgewertet, wie die deutschen Sender NDR und WDR sowie die «Süddeutsche Zeitung» berichteten.
Allein in Deutschland sollen im vergangenen Jahr über 14'000 Mal Verletzungen, Todesfälle und andere Probleme gemeldet worden – alle im Zusammenhang mit Medizinprodukten wie künstliche Hüft- oder Kniegelenke, Brustimplantate oder Insulinpumpen. 

Komplikationen verschweigen

Die Dunkelziffer dürfte laut den Recherchen noch «erheblich höher» sein. Der Grund: Hersteller, Ärzte und Spitäler meldeten den Behörden nur wenige Fälle, obwohl sie dazu verpflichtet seien. 
So seien 2017 in deutschen Kliniken 3'170 Brustimplantate allein wegen schmerzhafter Vernarbungen des Gewebes rund um die Silikonkissen herausoperiert worden. Gemeldet worden seien aber nur 141 Fälle.
Hersteller sollen lebensgefährliche Zwischenfälle mit medizinische Implantaten zudem bewusst vertuschen und Lobbyisten strengere Gesetze verhindern, heisst es. Auch die Zulassung neuer medizinischer Produkte und Implantate sei ohne gründliche Überprüfung seitens der Behörden problemlos möglich.

Geld für Verschwiegenheit

Die Schäden durch Medizinprodukte würden darüber hinaus nur selten publik, da die Hersteller Entschädigungszahlungen an Verschwiegenheits-Verpflichtungen der Betroffenen knüpften, heisst es weiter.  
Mehr als 250 Journalisten von knapp 60 Medien aus 36 Ländern arbeiteten bei der Recherche zusammen. Für die Schweiz war das Recherchedesk und das Datenteam von Tamedia im Einsatz. Auch das in der Schweiz geltende Zulassungssystem erweist sich offenbar als fehleranfällig und intransparent, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete.
  • Die Recherchen sind unter dem Stichwort «Implant Files» zusammengefasst und hier vollumfänglich einsehbar.
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