Kein billiger Migros-Alkohol: Sucht Schweiz atmet auf

Die Stiftung hatte bei einem Verkauf von Billigspirituosen mit einer Zunahme von Alkoholproblemen gerechnet. Trotz Erleichterung wird die Politik zum Handeln aufgerufen.

, 16. Juni 2022, 11:00
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«Sucht Schweiz» ist erleichtert: Die Migros bleibt alkoholfrei. «Das starke Votum zeigt, dass ein grosser Teil der Bevölkerung Alkohol nicht als Produkt wie jedes andere ansieht, sondern sich der Probleme bewusst und zur Prävention bereit ist», sagt Markus Meury, Mediensprecher der Stiftung Sucht Schweiz, gegenüber Medinside. Dies sei ein Zeichen an die Politik, die bis vor Kurzem den Verkauf und die Werbung von Alkohol noch weiter liberalisiert habe.
Die Ablehnung der Abstimmenden ist deutlich: Alle zehn Genossenschaften haben den Alkoholverkauf abgelehnt, mit zwischen 55,3 und 80,3 Prozent Nein-Stimmen. «Wir waren schon zuversichtlich, dass die Abstimmung gut ausgeht. Dass sie derart deutlich ausfällt - damit haben wir nicht gerechnet», so Meury weiter.

Erfolgreiche Sucht-Kampagne

Die Stiftung Sucht Schweiz hatte im Vorfeld der Urabstimmung befürchtet, dass die Alkoholprobleme bei einem Vertrieb von Billigalkohol und entsprechender Werbung der Migros steigen könnte und lancierte eine Kampagne dagegen. Medinside berichtete. 
Die Kampagne soll laut Meury wohl zum wuchtigen «Nein» beigetragen haben. Das Video «Migros, bleib, wie Du bist!» sei über 360'000 Mal gesehen worden. 

Aufruf an die Politik

Mit der Initiative Kinder ohne Tabak und der Abstimmung zum Alkohol in der Migros fordere das Stimmvolk klar ein politisches und wirtschaftliches Handeln für eine starke Suchtprävention, doppelt Meury nach.
Angesichts der zunehmenden Gesundheitsorientierung der Bevölkerung seien die Parlamente und Regierungen auf Bundes- und Kantonsebene mehr denn je aufgefordert, diesen Auftrag endlich umzusetzen und wirtschaftlichen Partikularinteressen vorzuziehen. 
«Zudem müssen die finanziellen Mittel für die Suchtprävention gesteigert werden, wenn eine Verbesserung der Situation erreicht werden soll», macht Sucht Schweiz deutlich. Das Resultat der Alkoholabstimmung habe im Übrigen auch gezeigt, dass ein grosser Diskussionsbedarf um den Platz des Alkohols in der Gesellschaft bestehe.

Alkoholverkauf an Jugendliche im Netz

Alarmierend: Die Resultate von Alkoholtestkäufen in der Schweiz zeigen, dass noch viel zu viel Alkohol illegal an Jugendliche verkauft wird. Bei Bestellungen im Internet kommen sie gar in den allermeisten Fällen problemlos an den Alkohol, dies auch im Onlineshop der Migros. Das zeigt eine Untersuchung vom Blauen Kreuz.
Laut Sucht Schweiz besteht bei praktisch allen Onlineshops ein dringender Handlungsbedarf. «Die Migros und andere Unternehmen haben Besserung gelobt und könnten nun auch mit gutem Beispiel vorangehen. Möglicherweise braucht es aber auch hier klarere gesetzliche Vorgaben, damit alle Anbieter den Jugendschutz respektieren», betont die Stiftung.

Lesen Sie weiter zum Thema:

Alkoholsucht: «Versicherer wälzen Kosten sowieso um»Versicherer weisen Kritik von Sucht Schweiz zurück
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