Diskussion um Lohnungleicheit im Kantonsspital Baselland

Das Kantonsspital Baselland (KSBL) betreibt einem Bericht zufolge Lohndiskriminierung. Das Spital aber wehrt sich gegen die Ergebnisse der Lohnanalyse.

, 22. Oktober 2021, 07:21
image
  • spital
  • kantonsspital baselland
  • baselland
  • lohn
  • politik
Unter Berücksichtigung der «Unterschiede in den Qualifikationsmerkmalen und den arbeitsplatzbezogenen Merkmalen» verdienen Frauen im Kantonsspital Baselland (KSBL) 5.2 Prozent weniger. Dies stellt die kantonale Geschäftsprüfungskommission (GPK) im Zusammenhang mit einer durchgeführten Lohngleicheitsanalyse fest. Das Fazit der Kommission: Zwischen Frauen und Männern besteht gemäss Standard-Analysemodell eine «statistisch gesicherte unerklärte Lohndifferenz im engeren Sinne.» 
Das Kantonsspital Baselland fühlt sich damit allerdings «in ein falsches Licht gestellt». KSBL-Sprecherin Anita Kuoni verweist auf das Tool des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau. Darin ist eine Toleranzschwelle von 5 Prozent festgelegt, die für die Bedeutung von Lohndifferenzen massgeblich sein soll. «Dieser Punkt ist im Bericht der GPK ungenau, da diese Schwelle nicht erwähnt wird», sagt Kuoni der «Basler Zeitung».

Toleranzwert im Zentrum des Konflikts 

GPK-Präsident Florian Spiegel findet aber nicht, dass diese Passage im Bericht falsch formuliert sei. «Man kann diese 5 Prozent nicht einfach mit dem Verweis auf das Analysetool relativieren», zitiert ihn die Zeitung. Und weiter: «Das Ergebnis hat gezeigt, dass das KSBL die Toleranzschwelle überschritten hat.»
Er kann nicht verstehen, weshalb das Spital die Situation nun verharmlose. Es habe in gemeinsamen Gesprächen hierzu Konsens bestanden, sagt er. Seitens KSBL sei auch signalisiert worden, dass vertiefte Abklärungen bereits in die Wege geleitet worden seien. So steht auch im Bericht, dass das Spital aktuell daran sei, «detailliertere Analysen vorzunehmen, um darauf gestützt entsprechende Massnahmen zur Beseitigung entsprechender Lohndifferenzen einzuleiten.»

Kantonsspital will Analyse nicht veröffentlichen

Für das KSBL ist schliesslich klar, dass das Lohnsystem des Kantonsspitals grundsätzlich gar keine Ungleichheiten zulasse. «Alle Mitarbeiter werden nach denselben Kriterien eingestuft», sagt Kuoni der «Basler Zeitung». Externe Analyse stellten zudem keine relevante Lohndifferenz fest.
Um sich einen genaueren Überblick zu verschaffen und den ungeklärten Fragen nachzugehen, wollte die «Basler Zeitung» Einblick in die Lohngleichheitsanalyse des öffentlichen Spitals erhalten. Ohne Erfolg. Denn das Dokument ist gemäss Kantonsspital nicht öffentlich einsehbar.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Spital korrigiert falsche Aussagen zu Chefarzt-Kündigung

Ist der Chefarzt Gregor Lindner nun krank oder nicht? Die Pressestelle des Bürgerspitals Solothurn zieht plötzlich Aussagen zu dessen Kündigung zurück.

image

Sauter: «Wir müssen grossräumiger denken»

Spitäler in den Randregionen brauchen eine neue Funktion. Das meint die neue Hplus-Präsidentin Regine Sauter.

image

Notfallmediziner erwarten Kollaps und schlagen schweizweit Alarm

Covid, Grippe und RSV: Die Notfallstationen sehen sich in diesem Winter mit Bedingungen konfrontiert, die sie an den Rand des Kollapses bringen könnten.

image

Direktor Peter Hösly übergibt den Stab an Simone Weiss

Am Sanatorium Kilchberg kommt es zu einem Führungswechsel: Nach 16 Jahren gibt Peter Hösly seinen Chefposten an der Privatklinik für Psychiatrie ab.

image

Mehr Lohn für Spitalangestellte? Stimmt häufig nicht.

Es ist eine Augenwischerei: Die Spitäler behaupten, die Löhne zu erhöhen. Dabei gleichen viele nicht einmal die Teuerung aus.

image

Spitaldirektorin will in den Nationalrat

Franziska Föllmi-Heusi vom Spital Schwyz ist als Kandidatin für die Nationalratswahlen nominiert.

Vom gleichen Autor

image

Warum hunderte Pflegekräfte derzeit «Rücktrittsschreiben» verfassen

Eigentlich möchten viele Pflegefachpersonen ihrem Beruf gar nicht den Rücken kehren. Doch das System zwingt sie dazu, wie eine aktuelle Kampagne in den USA exemplarisch zeigt.

image

Ärzte erhalten von Ärzten eine Sonderbehandlung

Ärzte als Patienten kriegen bestimmte Privilegien, die andere Patienten oder Patientinnen nicht erhalten würden. Dies sagt die grosse Mehrheit der in einer Studie befragten Ärzte.

image

Insel Gruppe: Chefarzt Stephan Jakob gibt Leitung weiter

Joerg C. Schefold übernimmt die Klinikleitung der Intensivmedizin am Berner Inselspital. Er folgt auf Stephan Jakob, der in Pension gehen wird.