Intensivmediziner wollen nationale Koordinationsstelle

Inmitten der Corona-Krise bitten die Intensivstationen das Bundesamt für Gesundheit und die Gesundheitsdirektoren, «jetzt zu handeln».

, 21. April 2020, 05:13
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In den vergangenen Wochen ist es im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu einer vorübergehenden Überlastung gewisser Intensivstationen gekommen. Hauptsächlich im Tessin und in der Romandie. Aus diesem Grund erachtet es die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) als wichtig, während Ausnahmesituationen eine Koordination intensivmedizinischer Ressourcen auf nationaler Ebene durchzuführen.
Die SGI hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) nun darum gebeten, unter Einbezug der Intensivmedizin eine solche Koordination auf nationaler Ebene zu etablieren. Dies schreibt die Fachgesellschaft mit ihren über 1 200 Mitgliedern in einer aktuellen Stellungnahme.

Koordination könnte bald nicht mehr funktionieren

Die SGI stützt sich dabei auf eine Umfrage unter den ärztlichen Leiterinnen und Leitern der Intensivstationen: Eine sehr grosse Mehrheit habe sich deutlich für eine nationale Koordination ausgesprochen. Und praktisch alle seien dazu bereit, dies gegenüber den Kantonsärzteschaft so zu vertreten, steht im Brief zu lesen. 
Nur eine zentrale Koordinationsstelle könne die Verlegung von Patienten aus überlasteten Intensivstationen in solche mit Kapazitätsreserven auf nationaler Ebene anordnen. Diese Stelle soll laut der SGI die bestehenden Netzwerke unterstützen und ergänzen. Und zwar im Falle einer Lage, in der ein geordnetes Funktionieren dieser Netzwerke nicht mehr sichergestellt werden könne. Die Fachgesellschaft rechnet damit, dass dieser Fall «bereits in Kürze» eintreten könnte - und bittet das BAG und die GDK «jetzt zu handeln.» 

SGI rät zur Vorsicht bei der Kapazitäts-Reduktion 

Bisher waren die gesamtschweizerischen Kapazitäten der Intensivmedizin zu jedem Zeitpunkt zur Behandlung aller kritisch kranken Patienten ausreichend, bestätigt die SGI. Der künftige Bedarf an intensivmedizinischen Ressourcen hänge nun vom weiteren Verlauf der Pandemie ab und lasse sich aufgrund zahlreicher Variablen nur sehr schwer abschätzen.
Die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin rät denn auch zur Vorsicht bei der Reduktion von intensivmedizinischen Zusatzkapazitäten während der nächsten zwei Wochen: Denn die Wiederaufnahme des gewohnten Spital- und Praxisalltags könnte in Kombination mit einer erneuten Zunahme an Infektionen ansonsten zu einer Überlastung von Intensivstationen führen. Die SGI empfiehlt den Spitälern und Behörden eine schrittweise Rückkehr zur ursprünglichen Kapazität. Denn nur so könne bei Bedarf eine rasche Reaktivierung der zusätzlichen Ressourcen vorgenommen werden.
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