Wo in der Schweiz die Infektionsrate zulegt

Nach Herzchirurgie kommt es in der Schweiz zu tieferen Wundinfektionsraten. Anders bei Kaiserschnitt, wie die aktuellsten Wundinfektionsraten zeigen.

, 10. November 2020 um 11:52
image
  • spital
  • gynäkologie
  • swissnoso
Im Auftrag des Nationalen Vereins für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) ermittelt das nationale Zentrum für Infektionsprävention (Swissnoso) jährlich die Wundinfektionsraten nach zwölf chirurgischen Eingriffen. Insgesamt sinken die Infektionsraten bei neun erfassten Operationen anhaltend, stellen die Herausgeber des Langzeitvergleichs fest. 

Langzeittrend nach Wirbelsäulenchirurgie

Im Vergleich zur Vorperiode zeigt sich eine tiefere Wundinfektionsrate nach Herzchirurgie. Erstmals sei zudem ein Langzeittrend zu einer tieferen Rate nach Wirbelsäulenchirurgie ohne Implantat auszumachen.
Generell führten die in der Messperiode 2018/19 festgestellten Infektionen bei jedem zweiten Fall zu einem erneuten Eingriff. Mehr als ein Drittel der Operierten mit Wundinfektionen musste deswegen nochmals hospitalisiert werden.
Zu den Eingriffsarten mit signifikant rückläufigen Wundinfektionsraten zählen:
  • Blinddarmentfernung,
  • Leistenbruchoperation,
  • Magenbypassoperation (Adipositaschirurgie),
  • Dickdarmchirurgie,
  • Herzchirurgie (alle Eingriffe und aorto-koronarer Bypass/CAB),
  • elektive Hüftgelenksprothese,
  • Wirbelsäulenchirurgie mit und ohne Implantat.

Rate nach Enddarm-OP verändert sich kaum

Die Infektionsrate nach Enddarmoperation sinkt darüber hinaus zum zweiten Mal in Folge. Dieser Rückgang sei jedoch statistisch bislang nicht erhärtet. Zumindest zeichne sich hier eine Stabilisierung ab, so die Betreiber des Monitorings.
Nicht bei allen Eingriffen gehen die Raten zurück. So legen die Infektionen nach Kaiserschnitt verhältnismässig zu. In der aktuellen Periode lag die Rate durchschnittlich bei 2.4 Prozent, im Vorjahreszeitraum noch bei 1.8 Prozent. Langfristig betrachtet entwickeln sich die Zahlen gemäss ANQ aber mehrheitlich positiv.
Für den neusten Trend-Radar wertete Swissnoso in der Messperiode 2018/19 rund 59 000 Fälle aus 166 Spitälern und Kliniken aus. Hier gelangen Sie zu sämtlichen Vergleichen mit Grafiken. 
Lesen Sie auch: «So viel kostet ein Kaiserschnitt»
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Solothurner Spitäler: Der ehemalige CEO ist noch auf der Lohnliste

Martin Häusermann ist offiziell verabschiedet – formell aber noch da.

image

Auch das Spital Davos schrieb rot

Wie in vielen anderen Akutspitälern sank 2023 die Zahl der stationären Patienten leicht, während es bei den ambulanten Fällen einen Zuwachs gab.

image

Spitäler FMI: Guter Umsatz, kleiner Gewinn

Sechs Millionen Franken mehr als im Vorjahr setzten die Betriebe der Spitäler Frutigen, Meiringen, Interlaken um. Übrig bleibt aber nur ein kleiner Gewinn.

image

Spitalzentrum Biel spannt mit TCS zusammen

Das Spital Biel gründet für planbare Patiententransporte eine neue Firma: zusammen mit dem TCS.

image

Liquiditätsengpass beim Spital Davos

Weil es eilte, hat die Gemeinde Davos 1,5 Millionen Franken noch vor der Genehmigung an ihr Spital überwiesen.

image

Erstes Schweizer Babyfenster geht vielleicht zu

Weil die Geburtenabteilung im Spital Einsiedeln geschlossen bleibt, ist auch die Zukunft des Babyfensters ungewiss.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.