Google will eine Lebensrettungs-Drohne entwickeln

Medizinische Versorgung aus der Luft: Mehr und mehr Projekte prüfen den Einsatz von Drohnen für die medizinische Versorgung. Hier vier Beispiele.

, 8. April 2016, 09:30
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Google hat sich ein Patent für eine medizinische Notrufsäule gesichert, um im Ernstfall eine Rettungsdrohne für ein abgelegenes Gebiet wie die Wüste anzufordern. So liesse sich bei einem anaphylaktischen Schock oder einer allergischen Reaktion über diese «medical emergency call box» eine menügeführte kostensparende Sofortversorgung einrichten. Das Gerät hätte etwa einen Defibrillator oder Spritzen an Bord.
Das System ist laut einem Bericht in «Popular Science» kein Ersatz für das Notfall-Rettungsteam, welches vor Ort nach der Drohnenlieferung die persönliche Behandlung übernimmt.

Mini-Flugzeuge in Ruanda

Natürlich wirkt dies aus der dichtbesiedelten helvetischen Sicht etwas sonderbar. Aber da Google normalerweise keine Geschäftsfelder betritt, die nicht mindestens einen Milliardenumsatz versprechen, lässt sich sagen: Hier wittert einige Profis ein ernstzunehmendes Geschäft. Und tatsächlich wird die Gesundheitsversorgung via Drohne mehr und mehr konkretisiert. 
Ein weiteres Beispiel: Ab Juli 2016 startet eine Drohnenflotte der kalifornischen Start-up Firma Zipline im ostafrikanischen Staat Ruanda die medizinische Versorgung an 21 Orten mit täglich zwischen 50 und 150 Lieferungen. Die 15 Mini-Flugzeuge namens «Zip» sind bei Wind und Wetter unempfindlicher als übliche Quadcopters. Sie wiegen 10 Kilogramm, tragen Medikamente und Blutkonserven bis zu 1,5 Kilogramm und reisen rund 120 Kilometer weit, wie das Magazin «Tech.Mic» berichtete.
Video aus Ruanda von Zipline/«The New Times»

Quadcopters im Königreich Bhutan

Die bhutanesische Regierung wiederum hat zusammen mit der WHO die US-Drohnenfirma Matternet in Palo Alto kontaktiert, um das Projekt der medizinischen Versorgung zwischen den 31 Spitälern, 178 Grundversorgungskliniken und 654 medizinischen Aussenposten-Kliniken sowie den entfernten Gemeinden umzusetzen. Bhutan hat eine Ärztedichte von 0,3 auf 1000 Menschen.
Laut dem Online-Magazin «Quartz» tragen die Drohnen 1,8 Kilogramm über eine Distanz von etwa 20 Kilometer. Die Flüge werden in Echtzeit mit einem Trackingsystem überwacht, eine Drohne kostet zwischen 2'000 und 5'000 Franken. Im laufenden Pilotprojekt sind vier Drohnen aktiviert, um das Jigme Dorji Wangchuck National Referral Hospital in der Hauptstadt Thimbu mit drei kleinen Gesundheitszentren zu verknüpfen.

Die Lebensrettungs-Drohne der Technischen Universität Delft

Andere prüfen sogar die Idee, mit Notfall- und Versorgungs-Drohnen in den dichter besiedelten Gegenden Europas zu arbeiten. 
Einen Prototypen einer Notfall-Drohne hat die Technische Universität Delft entwickelt. Die Idee: Wer die Notfallnummer anruft, erhält von der Rettungszentrale eine Drohne zugesandt, die nicht nur einen Defibrillator in sich hat, sondern dann eine telemedizinische Live-Übertragung mit einem Arzt aufbauen kann.
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