Gericht verurteilt die Helsana-Versicherung

Mit der Bonus-App hat die Versicherung Datenschutzbestimmungen nicht eingehalten.

, 1. April 2019 um 10:26
image
  • versicherer
  • helsana
  • gericht
Der Deal lautet wie folgt: Versicherte der Versicherung können eine App herunterladen. Diese misst unter anderem, wie viel sich die Versicherten bewegen. Wer so Punkte sammelt, erhält Geld zurück. Nun stand die Helsana wegen diesem Helsana-Plus-Bonusprogramm vor dem Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen. Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte sah durch die App verschiedene gesetzliche Bestimmungen verletzt - und bekam nun teilweise Recht. 
Beanstandet wurde von den Richtern, dass die von der Helsana Zusatzversicherungen AG betriebene App Daten von der für die Grundversicherung zuständigen Unternehmen der  Helsana-Gruppe bezog. So werde jeweils Daten abgeglichen. Dies sei widerrechtlich, fanden die Richter. 
Der Datenschutzbeauftragte sah zudem die Bestimmungen des KVG verletzt. Dies, weil auch Personen die App nutzen können, die bei der Helsana nur grundversichert sind. Wenn diese Personen Geld aus dem Bonus-Programm Geld zurückerhielten, sei dies eine unrechtmässige indirekte Rückerstattung von Grundversicherungsprämien. Doch das Gericht fällte in diesem Punkt kein Urteil, weil es sich nicht um eine Frage des Datenschutzes handle.
Unterschiedliche Schlussfolgerungen
Die Helsana-Versicherung sieht deshalb ihr Modell grundsätzlich bestätigt. Ganz anders die Stiftung für Konsumentenschutz: Für sie sahen die Richter neben der Verletzung der Datenschutzbestimmungen auch jene des KVG durch die App verletzt, hätten aber im Rahmen dieses Urteils nicht dagegen vorgehen können. Nun sei das Bundesamt für Gesundheit als Aufsichtsbehörde in der Pflicht,  die «Helsana in die Schranken zu weisen.»
Das gesamte Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann ans Bundesgericht weitergezogen werden.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

St.Galler-Studie zeigt, wie man mit der richtigen Behandlung Millionen sparen könnte

Die Auswirkungen von unnötigen Behandlungen sind kostspielig. Eine neue Studie zeigt mögliche Einsparnisse anhand von zwei Krankheitsbildern auf.

image

Wann versöhnen sich die beiden Krankenkassenverbände?

Im Schweizer Gesundheitswesen geht kaum mehr etwas vorwärts. Schuld daran sind auch die beiden zerstrittenen Krankenkassenverbände.

image

94 Millionen Franken weniger betragen die Gewinnmargen der Versicherer jährlich

Die neue PWC-Analyse «Das bewegt die Schweizer Krankenversicherer» zeigt sechs Markttrends und die grössten Herausforderungen für 2023 auf.

image

Arzt verweigert Maske in seiner Praxis – Gericht verordnet Geldstrafe

Ein coronaskeptischer Mediziner aus dem Kanton Luzern musste sich am Montag wegen wiederholten Verstössen gegen die Epidemiegesetzgebung vor Gericht verantworten.

image

Berner Arzt hat Aufklärungspflicht doch nicht verletzt

Im Fall einer Nasen-OP mit Komplikationen verneint das Bundesgericht eine Pflichtverletzung eines Berner HNO-Arztes. Die Vorinstanzen haben noch anders entschieden.

image

Ärztin soll mehrere hunderttausend Franken zurückzahlen

Eine Psychiaterin hat den Krankenkassen offenbar viel zu hohe Rechnungen gestellt. Nun soll die auf Kinder und Jugendliche spezialisierte Medizinerin zur Kasse gebeten werden.

Vom gleichen Autor

image

Covid-19 ist auch für das DRG-System eine Herausforderung

Die Fallpauschalen wurden für die Vergütung von Covid-19-Behandlungen adaptiert. Dieses Fazit zieht der Direktor eines Unispitals.

image

Ein Vogel verzögert Unispital-Neubau

Ein vom Aussterben bedrohter Wanderfalke nistet im künftigen Zürcher Kispi. Auch sonst sieht sich das Spital als Bauherrin mit speziellen Herausforderungen konfrontiert.

image

Preisdeckel für lukrative Spitalbehandlungen?

Das DRG-Modell setzt Fehlanreize, die zu Mengenausweitungen führen. Der Bund will deshalb eine gedeckelte Grundpauschale - für den Direktor des Unispitals Basel ist das der völlig falsche Weg.