Genetische Krebstests: Kaum Folgen für Lebensstil

Das Risiko einer Tumorerkrankung lässt sich immer einfacher und günstiger bestimmen. Was sind die Konsequenzen? Vielleicht sind sie vernachlässigbar.

, 15. Dezember 2016, 08:16
image
  • forschung
  • trends
  • onkologie
  • prävention
Die Frage wird sich auch bei uns mehr und mehr aufdrängen: Soll man das Krebsrisiko testen? Was geschieht, wenn die Möglichkeiten der genetischen Überprüfung gängig werden? Wenn jeder Zugriff hat darauf?
Solchen Fragen geht in den USA eine interdisziplinäre Wissenschaftlergruppe nach, im Rahmen der Personal Genomics Study. In einer Teilstudie, jetzt veröffentlicht, wurden Menschen verfolgt, die ihre Krebsneigung durch so genannte Direct-to-Consumer-Tests überprüft hatten. 


Konkret beobachteten die Forscher um die Onkologin Stacy W. Gray 762 Menschen, welche im Jahr 2012 krebs-bezogene Genom-Informationen über sich erhalten hatten. Dabei wurden sie insbesondere auch informiert über höhere Risiken von Krebsarten, welche durch das Erbgut mitbestimmt werden, beispielsweise Darmkrebs oder Brustkrebs.
Das Fazit: In den sechs Monaten, nachdem sie ihre Ergebnisse erhalten hatten, verhielten sich die Menschen mit höherem Risko nicht anders – und zwar im positiven wie im negativen Sinne. Das heisst: Weder änderten sie ihre Ernährungsgewohnheiten oder ihr Fitness-Verhalten mehr als andere, noch gingen sie häufiger zur Voruntersuchungen.

Der Prostata-Ausreisser

Eine einzige Gruppe stach leicht hervor: Männer, denen man ein höheres genetisches Risiko für Prostatakrebs attestierte, begannen signifikant häufiger damit, Vitamine und Nahrungsmittel-Zusätze zu verwenden (ein Schritt also, den man unter gesundheitlichen wie gesundheitspolitischen Aspekten als eher neutral bezeichnen dürfte). 
Bemerkt sei allerdings, dass beide Gruppen ihr Verhalten nach den Testresultaten durchaus modifizierten: Beispielsweise veränderten 31 Prozent ihre Ernährungsgewohnheiten. Nur: Die Quote war bei jenen Probanden, denen ein erhöhtes Risiko bescheinigt wurde, gleich wie bei jenen, welche durch die Testaussagen eher beruhigt wurden.

Pro und Contra

Im Hintergrund steht, dass die US-Aufsichtsbehörde FDA den Einsatz solcher direkter Konsumententests vor drei Jahren gestoppt hatte, um erst die Risiken und Folgen erforschen zu lassen. Denn einerseits könnte es zu einem bewussteren Lebenswandel motivieren, wenn man über ein höheres Tumor-Risiko informiert wird.
Andererseits könnten aber auch – beispielsweise – Übertreibungen und zu häufige Screenings die Folge sein, mit Kostenfolgen fürs ganze Gesundheitssystem.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Dieses Rüstzeugs fehlt den Gesundheitsfachpersonen

Eine Studie zeigt: Im Hinblick auf die Herausforderungen im Berufsalltag gibt es bei der Vermittlung von Kompetenzen an Schweizer Fachhochschulen Nachholbedarf.

image

Diese App sagt jungen Frauen die Periode voraus

Nun gibt es auch für Mädchen eine Zyklus-App: Teena misst die Körpertemperatur und klärt die jungen Frauen über die Periode auf.

image

Neue Widerspruchslösung auf Unbestimmt verschoben

Das neue Organspende-Register wird frühestens 2025 kommen. Nun propagiert Swisstransplant die alte Methode: den Spendeausweis.

image

Leberkrebs: So gerät eine gesunde Zelle auf Abwege

Leberkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten. Basler Forschende haben nun herausgefunden, wie eine gesunde Leberzelle zur Tumorzelle wird.

image

Raucher sollen zum Lungenkrebs-Screening antreten

Ein Expertengremium schlägt vor, für Risikogruppen eine Lungenkrebs-Früherkennung mittels niedrigdosierter Computer-Tomographie anzubieten.

image

Booster: Milde Schäden an Herzmuskel sind häufiger als angenommen

Ein Forschungsteam der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel hat die Auswirkungen der Covid-19-Booster-Impfung auf den Herzmuskel untersucht.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.