Gebt den Assistenzärzten ein Tablet

Wenn Medizinstudenten und Assistenzärzte in der Klinik online direkt auf Fachinformationen zugreifen können, schneiden sie danach in den Prüfungen besser ab.

, 7. Juni 2017, 09:04
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Ist es gut für angehende Ärzte, wenn sie in der Aus- und Weiterbildung ständig ein Tabletgerät dabei haben? Nützt es, wenn sie jederzeit Fachwissen abrufen können? Solchen Fragen ging ein Team der Berliner Charité nach. Über vier Jahre beobachteten die Wissenschaftler um den Gastroenterologie-Professor Daniel C. Baumgart Studenten im Praxisjahr sowie Assistenzärzte.


Ein Teil der Nachwuchsmediziner bekam ein Tablet, mit denen sich Fachinformationen abrufen liessen – und das auch multimediale Lernprogramme aufwies. Diese Probanden erhielten also einen Live-Zugriff auf Fachmagazine, eBooks, Videos, Podcasts, Animationen. Die Kontrollgruppe bekam das nicht, wenn diese Probanden eine Fachfrage hatten, mussten sie das Problem auf den herkömmlichen Wegen suchen.
In einem zweiten Schritt wurden dann alle Probanden am Beginn und am Ende ihres Einsatzes geprüft. Siehe da: Wer jederzeit das Tablet nutzen konnten, schnitt signifikant besser ab. Konkret: Die Tablet-Probanden holten durchschnittlich um 11 Prozent besser Prüfungsresultate als die Kollegen, die in der Klinik ohne Gerät dastanden.

PubMed, Google, eBooks

Am häufigsten steuerten die Tablet-Nutzer dabei Fachartikel (via PubMed), die Google-Suche sowie Fach-eBücher an.
Die Studie war allerdings klein, lediglich 55 Nachwuchsärzte wurden beobachtet. Geplant ist nun aber eine grössere Untersuchung. Denn immerhin deutet sich an, dass ein integriertes Programm aus klinischer Praxis und Theorie per Tablet die medizinische Ausbildung verbessern könnte.
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