Kein Rezept gegen Burnout von Ärzten

Gängige Methoden lindern Burnout-Symptome kaum. Am ehesten helfen organisatorische Veränderungen am Arbeitsplatz. Dies ergab eine Meta-Studie mit insgesamt 3'600 Medizinern.

, 4. Oktober 2016, 07:27
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Erschöpft und ausgebrannt: Das Burnout-Syndrom hat bei Medizinern schon fast epidemische Ausmasse angenommen und gefährdet nicht nur die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Ärzte, sondern auch die Versorgung der Patienten. Was hilft dagegen? Ein einfaches Rezept gibt es nicht, wie eine Meta-Studie zeigt. 
Colin West, Internist der Mayo Clinic in Rochester, hat die Ergebnisse von 15 randomisieren klinischen Studien und 27 Kohortenstudien, an denen insgesamt über 3'600 Ärzte teilnahmen, untersucht. Die Ärzte litten unter den typischen Burnout-Symptomen wie emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und dem Gefühl verminderter Leistungsfähigkeit.
In den einzelnen Studien wurden einerseits organisatorische Veränderungen am Arbeitsplatz und anderseits individuelle Therapiehilfen untersucht. West kommt zum Schluss, dass die Wirksamkeit der Massnahmen begrenzt ist. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal «The Lancet» veröffentlicht.

Burnout nur leicht gelindert

Zu den organisatorischen Massnahmen gehörten die Verkürzung der Arbeitsschichten, die Vermeidung häufiger Rotationen in der Ausbildung oder Veränderungen im klinischen Arbeitsablauf. Die individuellen Massnahmen bestanden in Gruppenberatungen, Kursen zum Stressmanagement sowie Meditations- und Achtsamkeitsübungen. 
Keine der Massnahmen erzielte ein durchschlagendes Ergebnis: Ein Rezept, wie Ärzte ihr emotionales Gleichgewicht zurückgewinnen können, scheint es also nicht zu geben. In den meisten Studien konnten aber die Symptome des Burnouts immerhin etwas gelindert werden. 
Colin P West, Liselotte N Dyrbye, Patricia J Erwin, Tait D Shanafelt: «Interventions to prevent and reduce physician burnout: a systematic review and meta-analysis» - in: «The Lancet», 28. September 2016

Veränderungen im Arbeitsalltag

Insgesamt wurde ein Rückgang der Burnout-Symptome um 10 Prozentpunkte von 54 auf 44 Prozent ermittelt. Als Messgrössen dienten die allgemein anerkannten Burnout-Indikatoren nach Maslach-Burnout Inventory
Die besten Ergebnisse wurden mit organisatorischen Veränderungen im Arbeitsalltag erzielt - hier ging der Score um 12 Prozentpunkte zurück. Bei individuellen Unterstützungsmassnahmen oder Psychotherapien verringerte sich der Wert hingegen nur um 6 Prozentpunkte. 

Kombination der Massnahmen

Es wird betont, dass in keiner der Studien strukturelle Massnahmen am Arbeitsplatz und individuelle Unterstützung kombiniert wurden. Studienautor Colin West legt darum nahe, dass Burnout-Symptome voraussichtlich besser abgeschwächt werden könnten, wenn beide Massnahmen kombiniert würden. 
Mehr:

  • «Has Stress Burned You Out?» - in: «Medscape», 28. September 2016
  • Burnout Selbsttest von Maslach & Jackson
  • Burnout Risikotest von Roland von Känel

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