Fingerspitzengefühl 2.0: Eine Prothese gibt Amputierten Tastgefühl zurück

Die ETH Lausanne hat funktionierende Phantomfinger entwickelt: Der Träger spürt, was er berührt.

, 11. März 2016 um 14:57
image
  • trends
  • roboter
Vielleicht ist dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Schaffung von fast lebensechten Prothesen. Wie die ETH Lausanne soeben bekanntgab, gelang es einem Team von Ingenieuren und Biorobotik-Spezialisten, eine Prothese zu schaffen, deren Träger die Beschaffenheit von Oberflächen fühlen kann.
Oder genauer: Es handelt sich um eine künstliche Hand, welche die Texturen unterschiedlicher Oberflächen wahrnimmt – und diese Wahrnehmung auch an ihren Träger weitergeben kann.
Das Erlebnis sei «ganz nah am Gefühl, das wir mit dem normalen Finger haben», sagt Dennis Aabo Sørensen; der Mann aus Dänemark hatte vor rund zehn Jahren seinen linken Unterarm verloren – nun konnte er dank dem Kunstfinger aus Lausanne quasi auf Distanz wieder den Zustand von Oberflächen spüren.
image
«Bionic Fingertip»: Darstellung des Funktionierens (Grafik: EPFL)
Geleitet wird das Projekt von Silvestro Micera von der EPFL sowie Calogero Oddo von der Scuola Superiore Sant'Anna in Pisa, SSSA.
Um die Prothese mit den Nerven des verbleibenden Armes zu verbinden, wurden Sørensen elektronische Sensoren in den Stumpf eingebaut. Die Fingerspitzen der Handprothese wiederum programmierten die Ingenieure so, dass sie je nach Unterlage andere elektrische Signale weitersenden. 
Diese Signale werden nun ihrerseits mehrfach übersetzt – so dass sie quasi die Sprache des Nervensystems vermitteln, und dann über die eingebauten Sensoren weitergegeben.
Fazit: In 96 Prozent der Fälle konnte Proband Sørensen die verschiedenen Berührungsflächen unterscheiden. Vor zwei Jahren hatten Silvestro Micera und sein EPFL-Team bereits eine Prothese präsentiert, deren Träger mit verbundenen Augen unterscheiden konnte, ob er ein weiches oder ein hartes Objekt zwischen den Fingern hatte. Der «Bionic Fingertip» ist nun eine entscheidende Verfeinerung hin zu mehr Lebensqualität.

Calogero Maria Oddo, Stanisa Raspopovic, Fiorenzo Artoni et al: «Intraneural stimulation elicits discrimination of textural features by artificial fingertip in intact and amputee humans», in: «eLife», März 2016-03-11


  • Zur Mitteilung der EPFL: «Amputee Feels Texture with a Bionic Fingertip»
  • Hattip: «Deutsches Ärzteblatt»

 

Film: Silvestro Micera und Calogero Otto erklären «Bionic Fingertip»


.
.

Zugabe: Ein Roboter, der alles einfängt

Zugegeben: Das weicht jetzt etwas vom Thema ab. Doch dieses andere Projekt der ETH Lausanne ist auch beachtenswert.
Es handelt sich um einen Roboterarm, der – irgendwie – leicht fassbar ist…
Aber sehen Sie selbst.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Erste Transplantation mit«DaVinci-Xi-System» am Kantonsspital St. Gallen

Erstmals wurde am KSSG die Niere eines Lebendspenders mit Hilfe chirurgischer Robotik entnommen.

image

Effizienz durch digitale Prozesse

Schwarzwald-Baar Klinikum meistert Hürden der Anbindung von HYDMedia an das LE-Portal

image

Knieprothetik: KSBL setzt auf J&J Robotertechnik

Damit kann eine noch höhere Präzision erreicht werden.

image

Diese klinischen Studien könnten 2024 den Durchbruch schaffen

Neue Impfungen, eine Stammzelltherapie, ein vielfältiger Einsatz von Künstlicher Intelligenz: All das könnte sich demnächst durchsetzen.

image

Forschung: Brustkrebs-Früherkennung mit Fingerabdruck?

Ein Fingerabruck könnte in Zukunft die Mammografie zur Brustkrebs-Früherkennung ersetzen.

image

Festtage: Edles ist gefragt

Das Festtagssaison naht, und viele Menschen freuen sich auf besondere kulinarische Erlebnisse. Wie wird man diesen Erwartungen gerecht und schafft würdige Festtagsmenüs?

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.