So gross ist der Fachkräftemangel

Die Weltgesundheit hat das Jahr der Pflege ausgerufen. Damit soll der Fachkräftemangel angegangen werden - auch in der Schweiz.

, 13. Januar 2020 um 13:38
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In der Schweiz fehlen jährlich fast 3000 neue Pflegfachkräfte. Das hat Folgen für die Arbeitsbelastung, für die Spitäler und Patienten. Und auch für das Ausland: Die Schweiz rekrutiert deshalb im benachbarten Ausland Fachkräfte, was den dortigen Notstand verschlimmert. Denn diese Länder rekrutieren daraufhin ihrerseits in anderen Ländern. Hauptleidtragende sind die ärmsten Länder ganz unten in dieser Pyramide, in denen sich dadurch der Fachkräftemangel weiter akzentuiert. Und auch in der Schweiz dürfte sich der Fachkräftemangel weiter zuspitzen.
Der Personalmangel in der Pflege ist ein globales Problem. Weltweit fehlen gemäss der Weltgesundheitsorganisation der UNO, der WHO, bis ins Jahr 2030 neun Millionen Pflegfachkräfte und Hebammen. Eine enorme Zahl. Um dem zu begegnen hat die WHO das eben begonnene Jahr  offiziell zum Jahr des Pflege- und den Hebammenberufs gemacht.
Die WHO schreiben dazu: Pflegefachpersonen und Hebammen spielen eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Gesundheitsdiensstleistungen. Sie widmen ihr Leben der Betreuung von Mutter und Kind, geben lebensrettende Impfungen und Gesundheitsberatung, kümmern sich um ältere Menschen und erfüllen die alltäglichen Gesundheitsbedürfnisse. Sie sind oft die erste und einzige Anlaufstelle in ihren Gemeinden. Die Welt braucht 9 Millionen mehr Krankenschwestern und Hebammen, wenn sie bis 2030 eine universelle Gesundheitsversorgung erreichen will.
Die WHO ruft deshalb die Regierungen weltweit dazu auf, Hebammen und Pflegefachpersonen zu fördern und ihr Potenzial besser zu nutzen.

Forderungen für die Schweiz

Der Berufsverband der Schweizer Pflegefachpersonen SBK erkennt auch im Inland Handlungsbedarf. Denn der Fachkräftemangel werde auch hierzulande zunehmen. Durch die Alterung der Gesellschaft werde zudem der Bedarf an Pflegeleistungen drastisch erhöht. Und ein «knapper Stellenschlüssel im Spital» verunmögliche auch bei den Geburten die von vielen Patientinnen gewünschte 1:1-Betreuung. Es bestehe in der Schweiz also auch bei den Hebammen Nachholbedarf.

Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen

Der Berufsverband fordert ein Umdenken und Investitionen. Um die ungenügende Berufsverweildauer im Pflegeberuf zu verbessern, brauche es dringend eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen - auch müssten den Pflegefachpersonen mehr Verantwortung übertragen werden, so der SBK. Um die Herausforderungen an die Gesundheitsversorgung der Zukunft anzugehen, sei es notwendig, dass sich Pflegefachpersonen und Hebammen an Entscheidungsprozessen beteiligen können. Das werde auch dazu beitragen die Kosten zu senken. Der Verband propagiert deshalb seine Pflegeinitiative, die derzeit vom Parlament behandelt wird.
Weitere Infos zum Aktionsjahr der WHO (auf Englisch).
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