Elektonisches Patientendossier sorgt für Streit

Die Axsana AG bringt ihr System noch nicht richtig zum Laufen. Bezahlen sollen 180 Spitäler trotzdem.

, 15. Juli 2020, 09:04
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  • elektronisches patientendossier
  • axsana
  • thomas heiniger
Es ist ein delikater Streit, der sich aktuell in der Spitalbranche abspielt. Auf der einen Seite stehen mindestens 22 Spitäler - auf der anderen Seite die Axsana AG. Letztere ist eine Anbieterin für das Elektronische Patientendossier (EPD). Sie wird unter anderem von den Kantonen Zürich und Bern betrieben. VR-Präsident ist Thomas Heiniger - im VR sitzen unter anderem aber auch der Berner und der Zuger Gesundheitsdirektor.
Insgesamt sind 161 Spitäler bei der Axsana unter Vertrag. Diese versprach den Kunden Leistungen, die über das gesetzlich Vorgeschriebene hinausgehen - ab dem Frühling 2020. Doch es kommt zu Verzögerungen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Das System ist zwar aktiv. Es bietet bisher aber nicht einmal die vom Gesetzgeber vorgesehenen Funktionen.

Bereits über 20 Spitäler wehren sich gegen Rechnungen

 «Technisch ist das Patientendossier eine gigantische Fehlinvestition. Das als Fortschritt angepriesene System ist bloss ein PDF-Friedhof», wird Andreas Gattiker, der Direktor des Kantonsspitals Obwalden, zitiert. Dennoch hat die Axsana den Spitälern bereits 80 Prozent der vereinbarten Abgeltung in Rechnung gestellt, wie der Tagi weiter berichtet. Bei kleineren Spitäler wie jenem in Obwalden betragen die Rechnungen mehrere Zehntausend Franken. Bei grösseren Spitälern sollen diese aber bis zu mehreren Hunderttausend Franken betragen.
Über 20 Spitäler haben gemäss dem Artikel die Forderung bereits bestritten. Doch offenbar besteht die Axsana AG auf dem Bezahlen der Rechnungen. Das System sei operativ
* Gemäss einer nach Publikation erfolgten Information der Axsana AG hat diese die Rechnungen an die Spitäler inzwischen halbiert (40 Prozent). Gleichzeitig hält sie fest, dass die Verzögerungen nicht das System betreffen würden, sondern dessen Zertifizierung.
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